Zwettl – Was blieb vom Wallfahrtsweg nach Stift Zwettl ?

>> Länge: 3,9 km | Höhe: 59 m | Dauer: 01:00 <<

Stadtpfarrkirche
Stadtpfarrkirche
Richtung Hauptplatz
Richtung Hauptplatz


Früher war es üblich, sich mindestens einmal pro Jahr auf Wallfahrt zu begeben und Segen zu erbitten. Nach mittelalterlichem christlichen Glauben erhielt der Pilger für den Besuch von heiligen Stätten die Vergebung seiner Sünden.

Dass viele Pfarren eine eigene traditionelle Wallfahrt zu einer benachbarten Gnadenstätte durchführen ist ein besonderes Phänomen in Österreich und im Waldviertel. Manche Pfarren unternehmen, wenn die Gnadenstätte nicht zu weit entfernt ist, eine Fußwallfahrt dorthin. Von Zwettl aus führt ein alter Wallfahrtsweg nach Stift Zwettl. Wir machen uns auf den Weg, um zu sehen, was von diesem Weg noch zu finden ist.


Fotos aufgenommen im April 2018
Wandern im hügeligen GeländeNordic Walking geeignetEinkehrmöglichkeit in Zwettl und Stift ZwettlAuch mit dem Rad gut befahrbar


Wir starten bei der Stadtpfarrkirche in Zwettl und steigen die Stufen zum Hauptplatz hinauf. Am Hundertwasserbrunnen und beim alten Rathaus vorbei, biegen wir rechts in die Hamerlingstraße ein. Ein altes Foto zeigt uns die damalige schmale Judengasse.


ehemalige Judengasse
ehemalige Judengasse
Hamerlingsstraße
Hamerlingsstraße


Es geht geradeaus weiter durch die Stadt. Beim Kreisverkehr treffen wir auf die ehemalige Stiftstaverne im Ortsteil Oberhof, die zur Herrschaft Stift Zwettl gehörte. Im 19. Jahrhundert ist hier das Gasthaus zum Goldenen Stern untergebracht. Sowohl der Kamp- als auch der Straßenverlauf sehen hier früher ganz anders aus.


Hamerlingsstraße
Hamerlingsstraße
Spitalskirche
Spitalskirche


ehemalige Stiftstaverne
ehemalige Stiftstaverne
Kreisverkehr Oberhof
Kreisverkehr Oberhof


Die unbefestigte Straße verläuft bis 1936 hinter den Häusern am Fuße des Weinberges. Erst dann wird entlang des Kamp Flusses eine Stützmauer errichtet und die Straße bis zum Bildstock Rittersprung Richtung Ufer verlegt. Hier ist der erste Teil des Weges verschwunden.


ehemalige Straße
ehemalige Straße
Rittersprung
Rittersprung


ehemalige Straße
ehemalige Straße
Allentsteigerstraße
Allentsteigerstraße


Entlang des Kampufers bis zum Hussitenkreuz und später vorbei an der Bozener Siedlung steigt die Straße leicht an und führt über den sogenannten Teufelsberg. Auch hier wird im Laufe der Zeit die Straße umgebaut und der Teufelsberg hat längst seinen Schrecken verloren.


Hussitenkreuz
Hussitenkreuz
Teufelsberg
Teufelsberg


Am obersten Ende steht das Panaglkreuz. Kurz davor zweigt rechts ein Hohlweg ab, der noch sehr gut zu erkennen ist. Hier zweigt früher der Wallfahrtsweg ab und führt quer über die am Waldrand beginnende Wiese Richtung Stift Zwettl. Von hier konnte man den Stiftskirchturm in voller Größe vor sich sehen.


Der Kamp
Der Kamp
Hohlweg
Hohlweg


Den Wiesenweg gibt es nicht mehr. Das Feld wird durch die neue Zwettler Umfahrung durchschnitten. Während der Bauarbeiten zur Umfahrung Zwettl donnern im Minutentakt voll beladene Lkw über eine zwei Kilometer lange Verbindungsstraße vom Dürnhof nach Stift Zwettl, um ausgehobene Erde auf einer frisch angelegten Deponie vor den Toren des Zisterzienserklosters abzuladen. Insgesamt 1,1 Millionen Kubikmeter, umgerechnet zirka 20.000 Lkw-Ladungen Erdreich müssen abgetragen werden, um für die fast elf Kilometer lange Umfahrungsstraße Platz zu schaffen. Der Turm der Stiftskirche verschwindet langsam hinter dem neuen Berg.


Wallfahrt
Wallfahrt (Foto Stadtarchiv Zwettl)
gleicher Standort
gleicher Standort


Wir wandern auf der Straße Richtung Stift Zwettl weiter und biegen nach der Brücke über die Umfahrung rechts ab. Nach einem kurzen Stück am Begleitweg entlang der Umfahrungsstraße geht es beim ehemaligen Standort des Bildstockes zu den vier Evangelisten nach links Richtung Wald. Der Bildstock wird nach dem Bau der Umfahrung Richtung Süden beim Waldrand neu errichtet.


Blick zum ehemaligen Weg
Blick zum ehemaligen Weg
Begleitweg Umfahrung
Begleitweg Umfahrung


Wir sind nun am sogenannten Hopfenbergweg, dem früher viel begangenen Fußweg nach Stift Zwettl, unterwegs. Kurz darauf lädt der 1846 errichtete „Regenschirm“ zum Verweilen ein. Vor diesem biedermeierlichen Ruheplatz mit Granitsäule, Rundbank und Blechschirm, steht auf einer runden Granitsäule eine Muttergottesstatue aus dem Jahre 1718.


Hopfenbergweg
Hopfenbergweg
Der Regenschirm
Der Regenschirm


Johann Anton Friedrich Reil schreibt im Jahre 1823 in seinem Buch „Der Wanderer im Waldviertel“:

Mir war als Knabe schon eine Wallfahrt immer angenehm. Der Gang hinaus ins Grüne, durch die belaubten Wölbungen der ehrwürdig hohen Baumgestalten, die erquickende Luft in reiner Ätherbläue, in deren Ferne hinter dem Berge des Gnadenortes die emporsteigende Sonne die Kuppel der Kirche mit einer Glorie umgab, das heilige Schweigen der Umgebung und jetzt der Lerche himmelanschwebende Morgenhymne über dem lauter werdenden Waldchor, der feierliche Gesang der gläubigen Menge, ihre Gebethe, die verschiedenen Äußerungen andächtigen Eifers, streckenweise gelobtes Hinwandeln, theils mit ausgestreckten Armen, theils auf den Knien, alles dieses stimmt das jugendliche Gemüth zur süßen Demuth, freudigen Ehrfurcht und Mithuldigung.


Hopfenbergweg
Hopfenbergweg
Stift Zwettl
Stift Zwettl


Kurz darauf sind wir in Stift Zwettl angekommen, so wie die Pilger aus neuerer Zeit. Rechts von uns begrüßt uns die Figur des Heiligen Bernhard.


Wallfahrer heute
Wallfahrer heute
Wallfahrer heute
Wallfahrer heute



GPS TOUR.INFO bergfex.at

ZCrux – Kleindenkmäler rund um Zwettl im Waldviertel 
Folgende Kleindenkmäler befinden sich auf der Wanderroute.



Europäisches Kulturerbejahr 2018

Vielfalt in der Einheit – Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa
Ein Projekt des Landkreises Bamberg zum Europäischen Kulturerbejahr SHARING HERITAGE 2018 (European Cultural Heritage Year).

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und vernetzt auf europäischer Ebene die Zisterzienserklöster Morimond (Haute-Marne, Frankreich), Ebrach (Steigerwald/Lkr. Bamberg, Oberfranken), Waldsassen (Stiftland/Lkr. Tirschenreuth, Oberpfalz), Plasy (Westböhmen/Tschechien), Stift Zwettl (Waldviertel/Niederösterreich) und Stift Rein (Graz/Steiermark).

Ein großes Thema in der Forschungsarbeit von Frau Ruhland und Herrn Haslach sind Prozessionen und Wallfahrtswege. Hier finden sich Belege, dass die Zwettler mindestens drei Mal jährlich eine Prozession nach Stift Zwettl unternahmen. Dazu gibt es Dias aus den 1960er Jahren im Stadtarchiv (siehe Foto Wallfahrt Stadtarchiv Zwettl).

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