Zum Spielberg in die Vergangenheit

>> Länge: 10,5 km | Höhe: 143 m | Dauer: 03:00 <<

Döllersheim
Döllersheim
Döllersheim
Döllersheim


Heute wandern wir auf den Spuren vergangener Zeiten und das in jeder Hinsicht. Dazu starten wir in Döllersheim, folgen der alten Böhmerwaldstraße Richtung Zwettl, umrunden den Spielberg mit dem Galgen und machen Stopp bei der Kapelle in Niederplöttbach.

Fotos aufgenommen am 28.12.2013
Wandern im flachen GeländeNordic Walking geeignetRundwegKeine durchgehende Beschilderung !

Wir verlassen Döllersheim beim Bürgerspital auf der alten Zwettler Landstraße. Das ist die Rechte von zwei schmalen Sandstraßen, die gegenüber des Spitals in den Wald führen.

Ein erstes Bürgerspital mit einer Kapelle soll bereits 1592 bestehen. In seinem Testament vom 2. Jänner 1660 stiftet der Besitzer von Ottenstein, Hans Franz Freiherr von Lamberg, ein Spital für 12 bedürftige Untertanen. Mit den Bauarbeiten wird noch im gleichen Jahr begonnen, die Fertigstellung geschieht 1666 nach seinem Tod durch seine Witwe.
Als Mittelpunkt des Spitals wird auf einem quadratischen Grundriss die zwei Stockwerke hohe und mit einem Pyramidendach gedeckte Spitalskapelle errichtet. An jeder Seite befinden sich oben je zwei rundbogige Fenster. Um die Kapelle führt ein ebenerdiger, flachgewölbter Gang, der mit einem Pultdach gedeckt ist. Von diesem Gang aus führen je zwei Türen in die vier Flügelbauten, welche der ganzen Anlage einen kreuzförmigen Grundriss geben. Jede dieser Flügelbauten mit Satteldächern enthält zwei Zimmer. In den Winkeln zwischen den Flügeltrakten werden kleine Gärten angelegt.
Mit der 1938 beginnenden Aussiedlung der Bevölkerung von Döllersheim wird auch das Spital dem Verfall preisgegeben. Seit 1981 befindet sich Döllersheim nicht mehr im militärischen Sperrgebiet und kann besucht werden.

Wir überqueren beim Teich den Woltenbach und folgen bei der nächsten Weggabelung dem linken Sandweg. Dieser Weg war die ehemalige Böhmerwald Straße von Zwettl über Döllersheim, Neupölla, Fuglau zur Horn-Budweiser Straße nächst Horn und war eine von 17 Straßen, die 1866 zu niederösterreichischen Landesstraßen erklärt wurden.

Beim Teich
Beim Teich
Beim Teich
Beim Teich


Ein alter Kilometerstein am Wegesrand ist noch erhalten. Von hier sind es 30 km nach Horn und 10 km nach Zwettl. Kurz darauf kommen wir bei einem großen Holzkreuz vorbei. Die ehemalige Straße führt hier geradeaus weiter hinunter zum Stausee. Vor dem Bau der Staumauer in Ottenstein folgte sie geradeaus dem Tal bis zur Fürnkranzmühle und dann weiter durch Edelhof nach Zwettl.

Die ehemalige Straße
Die ehemalige Straße
Alter Kilometerstein
Alter Kilometerstein


Holzkreuz
Holzkreuz
Richtung Stausee
Richtung Stausee


Am Stausee
Am Stausee
Am Stausee
Am Stausee


Vom Stausee wandern wir wieder hinauf zum Holzkreuz und biegen hier links ab. Kurz darauf stoßen wir auf einen weiteren sandigen Waldweg. Hier halten wir uns ebenfalls links und folgen diesem. Wir überqueren jetzt den Spielberg, jenen Bergrücken, auf dem einmal der Galgen von Döllersheim stand.

Beim Spielberg
Beim Spielberg
Der alte Galgen
Der alte Galgen


A. Plesser schrieb 1917 darüber:
„Die derzeit bewaldete Anhöhe westlich vom Markte, auf welcher der seit einigen Jahren zerstörte Galgen bestand, heißt Spielberg. Noch um 1840 trugen die drei runden, gemauerten Pfeiler des Hochgerichtes gut erhaltene, eichene Balken. Etwa 30 Schritte davon östlich war der Platz zum Köpfen, wo als Letzte angeblich eine Frau aus Flachau gerichtet worden ist (Pfarrarchiv Döllersheim).“

Heute kann man keine Spuren mehr erkennen, die eindeutig den Resten des Galgens zuzuweisen wären, denn er wird im Jahre 1903 abgerissen. Der Schutt wird als Straßenbaumaterial verwendet.

Eine enge Kurve führt hinunter in ein Tal, das von einem kleinen Bächlein durchflossen wird. Gleich nach der Kurve verlassen wir den Forstweg, überwinden das Bächlein und folgen dem gegenüberliegenden Wiesenweg vorbei an zwei Hochständen hinauf zur Zufahrtsstraße nach Niederplöttbach. Hier biegen wir links ab und besuchen die Kapelle von Niederplöttbach, die am Rande des Truppenübungsplatzes liegt.

Auf dem Spielberg
Auf dem Spielberg
Ins Tal
Ins Tal


Überquerung
Überquerung
Aufstieg
Aufstieg


Waldweg
Waldweg
Richtung Niederplöttbach
Richtung Niederplöttbach


Der Ort Niederplöttbach liegt in einer Talsenke des Plöttbaches, der den Dorfanger durchschneidet und in der Nähe des Dorfes in den Kamp mündet. Heute ist der Ort, am Südrand des Truppenübungsplatzes gelegen, geteilt: südlich der Straße von Döllersheim nach Niederplöttbach befindet sich die Windhag’sche Stipendienstiftung, nördlich davon ist Tüpl-Gebiet. Die Ruinen des halben Ortes sind seit den späten 50er Jahren vom Wasser des Stausees Ottenstein bedeckt.

In Niederplöttbach
In Niederplöttbach
In Niederplöttbach
In Niederplöttbach


In Niederplöttbach
In Niederplöttbach
Am Plöttbach
Am Plöttbach


Die Kapelle von Niederplöttbach, heute auf dem Gebiet der Windhag’schen Stipendienstiftung gelegen, steht auf einer Anhöhe über dem Dorf. Sie wird Anfang des 19. Jahrhunderts als reiner Steinbau errichtet und besitzt an den Längsseiten je zwei spitzbogige Fenster. Das Schindelsatteldach und ein quadratischer Dachreiter aus Holz mit spitzem Blechhelm sind eingestürzt.

Die Kapelle
Die Kapelle
Die Kapelle
Die Kapelle


Von hier folgen wir den gleichen Weg zurück und hinauf zur sandigen Verbindungsstraße von Niederplöttbach nach Döllersheim. Sie bildet die Grenze zum Truppenübungsplatz.

Bildstock
Bildstock
Richtung Döllersheim
Richtung Döllersheim


Bildbaum
Bildbaum
Richtung Döllersheim
Richtung Döllersheim


Vorbei an einem gemauerten Bildstock und einem Bildbaum führt uns der Weg zurück nach Döllersheim. Die Sonne hat sich endgültig verabschiedet, und der Nebel zieht der Landschaft seinen Mantel über.

D&J

Weitere Infos über diese Wanderung für GPS Freunde unter GPS TOUR.INFO
Detailierte Wanderkarte auf bergfex.at bergfex.at




2 Comments

  1. Norbert

    Am letzten Aprilwochenende 2014 machten wir uns zu fünft auf um exakt diese Wanderung zu machen, da wir von alten Gebäuden und Lost Places sehr begeistert sind. Auch die dunklen Gewitterwolken konnten uns nicht mehr abhalten und so gingen wir der Wegbeschreibung entlang.
    Jedoch war ich sehr froh, dass ich die gpx Datei runter geladen und auf mein Navi gespielt habe, sonst hätten wir uns bestimmt verlaufen oder wären nicht an diese tollen Orte gekommen.

    Norbert Mann

    Der Wasserstand des Stausees war bei uns, Ende April, noch tiefer als auf den Fotos von zwalk, wodurch wir bei Niederplöttbach das alte Flussbett sehen konnten und der sonstige Seeboden hat bereits zu begrünen begonnen, was bestimmt nicht oft vor kommt.

    Norbert Mann

    Auch künstliche Bachläufe und steinerne Blumentröge kamen wieder zum Vorschein die sonst am Grunde des Stausees liegen.

    Norbert Mann

    Wer den kürzesten Weg sucht um nur die Ruinen von Niederplöttbach zu sehen, der kann den nördlichen Weg, der hier als Rückweg gedacht ist, wählen, so findet man leichter hin.
    Wer ein Navi hat, dass gpx Dateien verarbeiten und anzeigen kann, dem würde ich ans Herz legen dies zu nutzen.
    Am Ende der Wanderung waren wir uns einig, dass dies eine tolle Wanderung war und voll unserem Geschmack traf.
    Vielen Dank für das Bereitstellen dieser schönen geschichtlichen Runde.

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