Wanderführer aus dem Jahre 1928

Wanderführer
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Unsere neueste Errungenschaft ist ein Wanderführer für das obere Waldviertel und Kamptal aus dem Jahre 1928, also einer Zeit wo wir noch nicht geboren waren. Schon damals brachte der „Fremdenverkehrsverband für das obere Waldviertel und Kamptal“ mit Sitz in Zwettl NÖ. ein 80 seitiges Büchlein im Format 17 x 10,5 cm heraus.

Damals hatte die Eisenbahn von Wien über Schwarzenau nach Gmünd noch eine viel größere Bedeutung als heute. So ist der Wanderführer auch in zwei Kapitel aufgeteilt, nämlich in einen Teil südlich der Bahnstrecke und einen nördlichen Teil. Von Schwarzenau konnte man damals auch noch nach Zwettl und weiter bis Martinsberg dampfen. Dazu kam eine Reihe von „Postkraftwagenlinien“, welche Zwettl mit den umliegenden Orten verband.

Neben Ortsbeschreibungen, mit einem kurzen historischen Abriss, sind aber die beschriebenen Wanderungen interessant. So findet man hier zum Beispiel noch die alten Namen von Mühlen und Sägewerken, von denen so manche verschwunden sind.


Blick vom Statzenberg (1927)
Blick vom Statzenberg (1927)
Blick von der Hammerleiten (1930)
Blick von der Hammerleiten (1930)
Blick von der Kremserstraße (1932)
Blick von der Kremserstraße (1932)


Über Zwettl kann man Folgendes lesen, hier ein Ausschnitt:

„Die Perle des Waldviertels“ hat einer jener Touristen, die alljährlich das niederösterreichische Waldviertel zu durchwandern pflegen, Zwettl genannt. Und tatsächlich zeigt gerade die nähere und weitere Umgebung der Stadt Zwettl in gesteigertem Maße alle jene Vorzüge, welche die grüne Waldmark ihren Besuchern bietet. Unmittelbar vor den Toren des freundlichen Städtchens breiten sich unermessliche Nadelwälder, in deren grünem Dämmern sich stundenlange prächtige Spaziergänge machen lassen. Durch die Stadt selbst rauschen die Wasser des Kampflusses und der Zwettl, die Kunde bringen von der grünen Einsamkeit des dunkelsten Waldviertels. So reicht die Natur in Zwettl unmittelbar ins Weichbild der Stadt und verleiht derselben einen ganz eigenartigen Reiz. Zwettl hat auch heute (1928) nichts von dem Zauber eingebüßt, der den großen Landesstädten früher eigen war und der in der hastenden Gegenwart den meisten Provinzstädtchen verloren gegangen ist. Gerade aus diesem Grunde auch ist Zwettl als Sommersitz ganz besonders prädestiniert. Aber auch die Lage der Stadt im Zentrum des oberen Waldviertels, im Zentrum des großen Waldgebietes, machen sie für den Sommerfrischen- und Touristenverkehr vorzüglich geeignet.
Die Aufenthaltsverhältnisse sind die denkbar günstigsten. Außer zahlreichen Gasthöfen, die vorzüglich Unterkunft bieten, sind billige und gute Wohnungen mit durchwegs elektrischer Beleuchtung vorhanden. Sämtliche Lebensmittel und Bedarfsartikel sind in den Kaufmannsgeschäften der Stadt in größter Auswahl und zu durchaus mäßigen Preisen erhältlich. Hochquellwasserleitung mit vorzüglichem Wasser bietet die Stadt ebenfalls.


Ausflüge und Wanderungen in das Kamptal, durch das Zwettltal, zum Stift Zwettl, ins Gradnitztal und nach Ratschenhof gab es schon damals. Interessanterweise gibt es keinen einzigen Hinweis auf das Schloss Rosenau.


Zum Schluss noch ein paar Wortimpressionen
(aus dem Anzeigeteil des Wanderführers)
Autotaxi
Shell-Benzin-Pumpe
Vermischtwarengeschäft
Postkraftwagen
Spezerei- und Geschmeidewaren
feinstes Rauchmaterial
Galanteriewaren
Gefrorenes
Kolonialwarenhandlung
Meinl´s Kaffee-Niederlage
Unterkunft für Autos
Hygienischer Friseursalon
Pferde -An- und Verkauf und Umtausch
gute gedeckte Kegelbahn

2 Comments

  1. Ganz interessant, diese alte Wander- und Reiseliteratur! Ich bekomme zu meinen eigenen Beständen immer wieder von Astrids Vater (Gerhard Melzer, den Heimatkundigen von Maria Lanzendorf) solche Exemplare (er sammelt sie weniger, als er Flohmärkte beschickt und von allen möglichen Bekannten „zur Entsorgung“ angeboten bekommt). Ich bin ein dankbarer Abnehmer dafür und muss jetzt wirklich einmal darin „schnüffeln“.
    Vorher warte ich aber noch auf die Druckfahnen der „Pilgerwege“ und schreib schon wieder was über die „Hemmawege“ – ein besonders interessantes Netz von Wallfahrerwegen (für Wanderer auf Teilstrecken und zugleich Ausflüge für Kunstfreunde).
    Grüße ins Waldviertel! ABB

  2. Eli Pichler

    Da hast Du ja einen wahren Schatz in die Hände bekommen!
    Ich glaube, mein Vater hat ähnliche wertvolle Bücher in seinem Fundus – nicht ganz so alt, aber sicher aus den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

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