Vor 160 Jahren:
Die Propsteikirche vor dem Verfall gerettet

Das Stadtarchiv Zwettl bewahrt ein Dokument vom 12. Juli 1856 (Sign. 01-104) auf, in dem berichtet wird, dass die Propsteikirche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts akut vom Verfall bedroht war und es nur den energischen, klugen und letztlich erfolgreichen Interventionen von Stiftsprior P. Josef Schmid zu danken ist, dass dieses, in seinem Kern aus der Romanik stammende Gotteshaus gerettet wurde.

Dokument

Hier die ersten Zeilen des erwähnten Dokuments in Transkription:
„Zur Nachricht für alle Zukünftigen! Im Jahre 1839 – als die uralte Probsteykirche St. Johann am Berge und vor Jahrhunderten Stadtpfarrkirche – sowohl im Ausseren an ihrer Schindelbedachung – als in ihrem Innern an ihren Plafonde dem gänzlichen Verfalle nahe war, das Fortbestehen, und die Erhaltung derselben auch von Seite des Patronats als nicht mehr gebothen erachtet wurde, beinebst deren Existenz denen l. f. [landesfürstlichen] und kirchlichen Oberbehörden schon ganz unbekannt, somit der gänzliche Verfall ausgesprochen war – in diesen kritischen Momenten nahm ein frommer Gott ergebener Mann, die schon verlorene Sache in seine kräftige Hand …“



Zur Erklärung: Die Propsteikirche befand sich damals gemeinsam mit dem gesamten Areal der ehemaligen Propstei im Besitz der Theresianischen Ritterakademie in Wien (1751 hatte Kaiserin Maria Theresia die Propstei Zwettl aufgelöst und den gesamten Besitz dem Theresianum übergeben). In den 1840er-Jahren waren sowohl das Schindeldach der Propsteikirche als auch die angrenzende Michaelskapelle einsturzgefährdet, die Verwaltung der Theresianischen Ritterakademie wollte in die Renovierung beider Gebäude nichts investieren, sondern sie vielmehr abbrechen und die Mauersteine anderweitig verwerten. Der Stiftsprior Pater Josef Schmid konnte aber die zuständigen Regierungsstellen vom kunsthistorischen Wert und der sakralen Bedeutung beider Gotteshäuser überzeugen, und so erhielt die Verwaltung des k. k. Theresianischen Fondsgutes Propstei Zwettl den Auftrag, Propsteikirche und Michaelskapelle zu sanieren. 1842 begann man mit diesen Arbeiten. Die Kirche erhielt ein Ziegeldach und einen neuen Plafond, sogar eine kleine Orgel wurde installiert, und auch die Michaelskapelle mit ihrem gotischen Gewölbe konnte erhalten werden. In weiterer Folge erhielt auch der Kirchturm ein neues Dach und die Kircheneinrichtung wurde erneuert.

Am 12. Juli 1856 fand in der Propsteikirche ein Dankgottesdienst statt. Stadtpfarrer Heinrich Klomillner hielt die Festpredigt, und Gottlieb Schittenberger, der Verwalter des k. k. Fondsgutes Propstei Zwettl sowie die beiden Bürger und Kirchenväter Anton Kietreiber und Alois Reim unterfertigten das vorliegende Dokument, mit dem die Nachwelt über die Sanierung der Propsteikirche und besonders über die Verdienste vom Dechant und Prior Josef Schmid informiert werden sollte.

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