Touristiker pfeifen auf Salierawanderweg

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Als Kurierleser und aktiver Wanderer las ich den Kurier-Niederösterreich-Artikel vom 2.3.2009 nicht nur einmal. Stein des Anstoßes ist der Name Saliera, so wird der Wanderweg eine neue Bezeichnung bekommen.

Der Umbau hat schon begonnen, wie der heutige Lokalaugenschein zeigt. Der gleiche Wanderweg wird jetzt Schatzbichlweg 72 heißen und verschweigt die Fundstelle der Saliera.

Die Verwendung dieses Artikels wurde von der Kurierredaktion erlaubt.


KURIER – NIEDERÖSTERREICH
MONTAG, 2. MÄRZ 2009

Lokalaugenschein in Brand
Touristiker pfeifen auf Saliera-Hype

Ein Dorf im Waldviertel wollte mit Cellinis berühmten Salzfass Geld verdienen. Der Ruhm hielt nicht lange.


VON SANDRA RAMSAUER-HOFER JÜRGEN ZAHRL

Drei Jahre ist es her, als das verschlafene Waldviertler Örtchen Brand bei Zwettl von Medienvertretern gestürmt wurde. Immerhin hat das 200-Seelen-Dorf etwas, das sonst niemand zu bieten hat. Ein Haus, in dem einer der bekanntesten Ex-Ganoven des Landes weilt. Und: Ein Erdloch, in dem Benvenuto Cellinis berühmtes Salzfass vergraben war.
Der Hype war groß, die Marketing-Ideen belebend. Aber die Hoffnungen erfüllten sich nicht. An der Bezeichnung „Saliera“ als touristische Marke hängen nur mehr zwei: Die Wirtsleute Gabriela und Josef Hagmann. Touristiker haben das Wort aus den offiziellen Werbemitteln verbannt. Stichwort Straftat.
Markus Hann, der Chef des Waldviertel Tourismus klärt auf: „Wir haben dem Gemeinderat empfohlen, keinen Salierawanderweg zu machen.“ Die Konsequenz bei Nichteinhaltung der „Empfehlung“ war klar definiert: „Ein Salierawanderweg kommt wegen des Tatbestandes nicht in die Wanderkarte der Region.“ So sei eben der Standpunkt des Touristikers. „Wie die Entscheidung ausgefallen ist, weiß ich nicht.“

Lokalaugenschein

Der KURIER versuchte es auf Google . Die Eingabe „Salierawanderweg“ führt auf www.wandern.com . Ein Klick. Die Seite ist leer. Nächster Treffer: „Frau in der Wirtschaft“ lädt zu einer Saliera-Wanderung . Auf www.gasthofhagmann.at dann endlich eine Beschreibung des 8,5-Kilometer langen Rundwanderweges. Auf nach Brand.
„Ja, das Wort Saliera wurde scheinbar bei uns verboten“, lacht Josef Hagmann. „So ein Schwachsinn“, wirft ein Stammgast ein und greift nach der Salz-Pfeffer-Menage im Wirtshaus. „Dann steht ja da auch ein Verbrechen herum. Das ist eine Saliera.“
Josef Hagmann und seine Frau Gabriela können über die Bedenken der anderen nur lachen. Für das Wirtspaar ist und bleibt das bekannte Diebesgut der Knüller. „Wir profitieren, machen uns damit aber keine Freunde“, resümiert die Chefin. Ihre geschnitzte Holz-Saliera bleibt genau dort im Lokal, wo sie seit drei Jahren steht. Der Salierabrand mit Goldflankerln, die Salieracuvée und die schmackhaften Salieralaibchen verkaufen sich gut.
Bürgermeister Franz Häuslers Blutdruck bleibt beim Thema Marketing konstant. „Das muss man eben alles so hinnehmen.“ Er setzt für „sein Brand“ auf Mundpropaganda. „Wenn der Waldviertler Fremdenverkehr nicht mit Saliera werben will, ist das halt so.“
Mit oder ohne Saliera – Verkehr hat das Dorf genug, wenn auch in Form von schweren Holz-Transportern auf dem Weg zum Sägewerk. Wie sich der Fremdenverkehr in Brand entwickeln wird, ist unklar. Fix ist nur, wer die berühmte Fundstelle der Saliera künftig finden will, muss dem Weg „Schatzbichl“ folgen.

© 02.03.2009 KURIER


Ein Salierawanderweg kommt wegen des Tatbestandes nicht in die Wanderkarte der Region! . . . und was meinst Du?

One Comment

  1. Wolfgang Krisch

    Besonders ärgerlich an dem Disput: In Brand werden offensichtlich Wegweiser des „Saliera-Weges“ verdreht, um Wanderern die Orientierung zu erschweren. Habe ich kürzlich selbst feststellen müssen – und wurde mir im Ort von Einheimischen auch bestätigt.Ziemlich verrückt!

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