>> Stadtmauerstadt Zwettl – Teil 3 <<
Im letzten Teil unserer Stadtmauerrunde folgen wir der Promenade. Bei der Habsburggasse, früher Schmiedgasse, gibt es lange Zeit eine Pforte und einen Turm, der in der Literatur auch öfter genannt wird.
Zwischen Habsburggasse und Kuenringerstraße ist die Stadtmauer wieder gut zu sehen, obwohl sie oft hinter einer gemauerten Gartenmauer steht. Das Turmzimmer ist in Zwettl auch als Rapunzel Turm bekannt. In vielen Bereichen ist die Stadtmauer gleichzeitig Kellermauer oder Terrassenmauer der angrenzenden Häuser.
Die Babenbergergasse, die früher Badgasse heißt, ist in den alten Zeiten eine Sackgasse. Im Jahre 1824 wird hier die Mauer zur Promenade hin durchgebrochen.
Bei der Kuenringerstraße (früher Thurnmühlgasse) fehlt ein Stück Stadtmauer, obwohl dieser Bereich historisch sehr interessant ist. So wird im Jahre 1332 an dieser Stelle ein „Stanesser thor“ erwähnt. Zwettl hat also um 1332 sogar vier Stadttore. An seiner Stelle wird später ein Turm errichtet, in dem eine Mühle („Turmmühle“) untergebracht wird.
Die Stadtmauer beginnt hier bereits hinter dem Haus Promenade 8. Dann kommt ein total verwachsenes Stück.
Stadler Tuschzeichnung nach Walter Schöpflin, Ausschnitt Zwettl um 1600
Auf einem Ölgemälde aus der Biedermeierzeit (1815-1848) kann man den Turm deutlich erkennen. Die zur Stadt gehörende Turmmühle wird Aufzeichnungen zu folge bis 1557 von zwei Bürgern verwaltet, danach aber verpachtet. Der jeweilige Pächter entrichtet den Zins an das Kammeramt.
In der Promenade ist die Stadtmauer zur Gänze erhalten und auch besonders gut einsehbar. Dieser Gehweg, die Promenade, entsteht im Jahre 1823 und wird auf den Resten der zweiten Stadtmauer, die nach außen den Zwinger abschließt und schon verfallen ist, errichtet. Es ist von einem stinkenden Wassergraben die Rede, wo nach dem Zuschütten und der Trockenlegung Gärten angelegt werden.
In weiterer Folge variieren sowohl Höhe als auch Aussehen der Mauer sehr stark. In den letzten Jahren ist im folgenden Bereich die Mauer bei einigen Abschnitten vom Bewuchs befreit und restauriert worden. Daher erkennt man jetzt bei genauerer Betrachtung zahlreiche Einzelheiten, wie zum Beispiel diesen Auslass. Auch hier gibt es Gebäude, welche die Stadtmauer als Außenmauer verwenden.
Der Hofbauerturm ist mit seinen 15 Metern Höhe der nächste markante Punkt in der Stadtmauer. Der im Grundriss etwa rechteckige Turm ist von der Stadtinnenseite begehbar, hat drei Stockwerke und ein Pyramidendach. Die nordwestliche Ecke ist ab dem Obergeschoss abgeschrägt. In ihr befinden sich der Durchgang und die Stiegen in das oberste Geschoss. Die unteren Geschosse werden über kleine Lichtscharten belichtet. Das oberste Geschoss besitzt sieben Fenster, eines auf der Stadtinnenseite.
Der Anschluss des Turmes an die Stadtmauer auf der Südseite ist anders als bei allen anderen Türmen, denn hier läuft die Stadtmauer innen nicht weiter, vielmehr endet sie stumpf bei einem Durchgang. Diesen Durchgang oder Pforte kann man auch schon auf Zeichnungen um 1600 sehen. Bei der Nordseite hingegen sieht es aus, als würde der Turm mit einer Fuge an die hier etwa einen Meter hervorragende Stadtmauer angebaut sein. Der Hofbauerturm überbaut hier einen älteren Mauerabschnitt.
Der Hofbauerturm weist zahlreiche kleinere Besonderheiten auf, die man durch die Nähe zum Bauwerk sehr gut erkennen kann. So zeigt dieser Turm einen Ausgussstein zwischen erstem und zweitem Obergeschoss. Die zweite Besonderheit sehen wir im Abtritterker, der wie der Turm aus Bruchsteinen hergestellt ist.
Zwei größere, halbrunde Konsolen ragen aus der Mauer, um das untere Auflager zu bilden. Darüber befindet sich ein T-förmiger Stein, der die gesamte Breite des Erkers überbrückt. Der mittlere Teil dieses Steines wird gleichzeitig als Sichtschutz und Abflussregulierung verwendet. Leider ist ein Großteil des oberen Teiles nicht mehr vorhanden.
Zwischen Hofbauerturm und Mauervorsprung ist die Stadtmauer optisch in viele kleine Abschnitte geteilt, welche Grundstücksgrenzen relativ deutlich auch in der Oberfläche zu Tage treten lassen.
Das Gelände ist vor der Mauer terrassiert. Verschiedenste Durchbrüche erschließen die Vorgärten, die alle zusammen eigentlich nicht mehr als Gärten genützt werden.
Manche Durchbrüche werden schon lange nicht mehr genützt und geben kein gutes Bild ab.
Der Mauervorsprung sieht aus wie ein Turm ist aber keiner. In der Renaissancezeit (15. und 16. Jahrhundert) wird er mit Zierzinnen aus Ziegeln und kleinen Pfefferbüchsen an den Ecken ausgestattet, wovon nur mehr eine übrig geblieben ist.
Er ist auf zwei Seiten so stark überwuchert, dass man kein Mauerwerk erkennen kann.
Der Bildvergleich zwischen dem Jahre 2009 mit 2016 zeigt, dass der Bewuchs stark zunimmt.
Zwischen Mauervorsprung und Antonturm fallen neben dem Mauervorsprung drei Rohre auf, die zu einem Durchbruch für die Hochspannungsleitung gehören. In diesem Bereich der Stadtmauer sind wesentlich mehr große Steine vorhanden.
In weiterer Folge kommen vier Stützpfeiler ins Blickfeld. Die Stadtmauer macht beim Mauervorsprung einen leichten Knick und verläuft Richtung Antonturm. Die Vorgärten werden in diesem Bereich breiter.
Die überdachte Talbergstiege bringt uns wieder zum Ausgangspunkt beim Antonturm.
ACHTUNG: Kinderwagenfahrer können die Stiege Richtung Evangelische Kirche umfahren.












































