>> Stadtmauerstadt Zwettl – Teil 1 <<
Zwettl gehört zu jenen niederösterreichischen Städten die noch heute im Schutz historischer Stadtmauern liegen. Natürlich nicht mehr die komplette heutige Stadt und leider auch nicht mehr vollständig. So gibt es die ursprünglichen Tore nicht mehr. Vielmehr sind aber noch etwa 917 Meter Stadtmauer mit sechs Türmen und einem mächtigen Mauervorsprung erhalten, die wir euch nun vorstellen wollen.
„Die Stadtmauer von Zwettl, Niederösterreich. Bauarchäologische Studien.“ So lautet der Titel der Diplomarbeit, welche Nicole Alexandra Pieper, Studentin am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien, 2009 fertig stellt. Dreihunderteinundachtzig Seiten nur über Mauer und Türme aus dem Blickwinkel der Wissenschaftlerin beschrieben. In dieser Studie ist die Stadtmauer 1076 Meter lang – eben eine andere Betrachtungsweise. Hoch interessant als Bewohner der Stadt, geht man ja fast täglich irgendwo an der Stadtmauer oder an einem der Türme vorbei, ohne sie ganz gezielt näher zu betrachten. Mit der Arbeit unter dem Arm machen wir uns auf den Weg, suchen Besonderheiten und halten sie fotografisch fest.
Der Antonturm an der nordwestlichen Ecke der Stadtmauer ist wegen seiner stattlichen Erscheinung direkt am steilen Ufer zur Zwettl zum Wahrzeichen der Kuenringerstadt Zwettl geworden. Sein siebeneckiger unregelmäßiger Grundriss macht ihn unverkennbar. Er hat vier Stockwerke und ist der höchste erhaltene Turm der Zwettler Stadtbefestigung.
Durch eine Jahrringanalyse der Deckenbalken im Antonturm werden durch Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Michael Grabner eindeutig zwei Bauphasen ermittelt. So entsteht das Erdgeschoß, das über eine frei liegende Treppe vom Innenhof aus erreichbar ist, im Jahre 1430 und das zweite Obergeschoß erst im Jahre 1455.
Seinen heutigen Namen hat der Turm von der Rauchfangkehrerfamilie Anton, die seit dem Jahre 1917 das Grundstück samt dem Turm und den ehemaligen Freihof besitzt. Früher hieß er Pernerstorfer Turm, nach der kuenringischen Dienstmannenfamilie der Pernhartsdorfer (Pernerstorfer), die im frühen vierzehnten Jahrhundert Besitzer des angrenzenden mächtigen Hofes sind. Heute gehört der Antonturm zum Pernerstorferhof und beide bilden zusammen ein prächtiges Ensemble.
Georg Matthäus Vischer „Statt Zwetal“ 1672 – Ausschnitt Oberes Tor
Josef Weiglsberger „Das obere Thor in Zwettl 1850“
Wo jetzt der Verkehr in die Stadt strömt befindet sich bis zum Jahre 1868 das Weitraer Tor mit einem eigenen Torturm, der dem ständig steigenden Verkehrsaufkommen weichen muss.
Walter Schöpflin „Zwettl um 1600“
Bauplan von 1832 für das Obere Tor zum Einbau einer Uhr
Wir folgen nun der Bahnhofstraße, die vermutlich auf einem zugeschütteten Graben im Jahre 1896 angelegt wird, bis zum Kesselbodenturm. Einen kurzen Teil dieses Grabens kann man noch unterhalb des Antonturmes sehen. Im gleichen Jahr, nämlich am 4. Juli 1896, wird die Lokalbahn Schwarzenau-Zwettl eröffnet. Und schon im Jahre 1897/98 entsteht das mächtige Jubiläumshaus.
Um die Jahrhundertwende fällt die Stadtmauer bis zur heutigen Berggasse und macht Platz für mehrere Jugendstilvillen (siehe Fotovergleich).
Bei der Berggasse hat man einen guten Blick in das Innere der Mauer, die bis zum Kesselbodenturm in unterschiedlichen Höhen und Stärken verläuft. Besonders interessant ist der Anschluss der Mauer an den Turm. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Mauerstärke ursprünglich durchgehend gleich und die Mauer deutlich höher war.
Der Kesselbodenturm besitzt einen runden Grundriss und steht am nördlichsten Punkt der Stadtmauer. Die Mauer läuft an beiden Seiten stumpf an den Turm an. Er ist von der Stadtinnenseite ebenerdig zugängig. Vom ehemals dreigeschossigen Bau existiert die Zwischendecke nicht mehr. Die oberste Decke wird durch ein flaches Kuppelgewölbe gebildet. Das ursprünglich vorhandene schindelgedeckte, gedrückte Kegeldach ist längst verfallen. Bis vor einigen Jahren ist für diesen Teil der Stadtbefestigung der Name Sattigturm gebräuchlich, nach der Gärtnerfamilie Belkhofer-Sattig, die von 1831 bis 1982 dieses Grundstück besitzt. Im Jahre 2008 greift man wieder auf den bereits im frühen 17. Jahrhundert gebräuchlichen Namen zurück, der sich von der benachbarten Flur Kesselboden herleitet.
Die Stadtmauer zwischen Kesselbodenturm und Schulturm verläuft im ersten Teil parallel zur Kesselbodengasse und ist nur in unmittelbarer Nähe des Kesselbodenturmes einsehbar. Alle weiteren Bereiche sind verbaut. Wir wandern die steile Kesselbodengasse hinunter und biegen rechts in die Klosterstraße ein.
In der Klosterstraße steht bis zum Jahre 1857 das Oberhofer Tor mit einem rechteckigen Torturm. Zu sehen ist dieses Tor nur mehr auf einer Zeichnung von Georg Metzburg aus dem Jahre 1794.
Zwischen Klosterstraße und Schulturm ist die Stadtmauer als Außenmauer in das Seniorenheim St.Martin integriert und kann vom anschließenden Parkplatz eingesehen werden. Durch die Bauarbeiten beim Seniorenheim werden zahlreiche neue Durchbrüche ausgeführt.
Der Schulturm steht an der östlichsten Ecke der Stadtmauer. Der Grundriss des Turmes ist polygonal (acht unterschiedlich lange Seiten). Der Turm ist viergeschossig, ein absteigendes Geschoß ohne Fenster und drei aufgehende. Er wird vor die bestehende Mauer gestellt, das man auf der breiten Innenseite und den Anschlussecken sehr gut erkennen kann. Der Zugang zum Turm erfolgt über einen Durchbruch in der Stadtmauer. Im 2. Obergeschoß befindet sich eine zugemauerte Tür, die vermutlich auf den Wehrgang führte. Früher heißt der Wehrturm Hafnerturm, wegen der benachbarten Hafnerwerkstätten am Neuen Markt. Seinen heutigen Namen bekommt er von der 1872 gegründeten Bürgerschule, der ersten in Niederösterreich, die sich auf demselben Grundstück befindet und heute als Neue Mittelschule für Sport und Wirtschaft geführt wird.
Irgendwann zwischen 1935 und 1938 (Fotos) bekommt der Turm sein heutiges Dach, zuvor kennt man ihn mit ziegelgemauerten Zinnen.
Im Schulturm befindet sich die sehenswerte „Naturkundliche Sammlung Schneider“ mit mehreren hundert Präparaten. Der Pharmazeut Gustav Schneider (1890-1945) bringt von seinen Reisen eine bunte Vielfalt exotischer Tiere mit nach Hause und übergibt diese zoologische Sammlung der damaligen Hauptschule Zwettl. Krokodile, eine Riesenschlange, Affen, Vögel, Tukane, ein Paradiesvogel, ein Kalb mit zwei Köpfen – und dies alles aus nächster Nähe zu bestaunen! Auf Knopfdruck kann man den eindringlichen Rufen heimischer Eulen und anderer Vögel lauschen. Zur Besichtigung ist unbedingt eine Anmeldung erforderlich.











































Excellent! Following the text I can find the history of the city.
Thank you!