>> kurze Wegstrecke: 3,2 km | Höhe: 26 m | Dauer: 00:55 <<
>> lange Wegstrecke: 5,5 km | Höhe: 85 m | Dauer: 01:30 <<
Das Waldviertel und im Besonderen Zwettl ist im wahrsten Sinn des Worte steinreich. Kann man im Umland der Stadt zahlreiche Naturdenkmäler aus Granit finden und bewundern, so finden sich innerhalb der Stadt einzigartige Objekte entlang des Skulpturenweges. Unterschiedliche Künstler und Bildhauer formten aus rohem Stein einzigartige und sehenswerte Objekte.
Seit den in den Jahren 1988 und 1991 in Zwettl unter der Leitung von Prof. Franz Xaver Ölzant, Akademie der bildenden Künste Wien, abgehaltenen Bildhauerwochen bereichern die dabei geschaffenen Kunstwerke das Zwettler Stadtbild. Ergänzt durch weitere Statuen entstand daraus ein Themenweg, der die 16 Skulpturen im Stadtgebiet von Zwettl verbindet.
Die meisten dieser Skulpturen befinden sich außerhalb der Altstadt und so verläuft der Skulpturenweg rund um die Stadtmauerstadt Zwettl. Man kann also zeitgenössische Bildhauerkunst mit erlebbarer Stadtmauer verbinden. Wem dieser Rundgang zu kurz erscheint kann am Ende noch den Hausberg von Zwettl, den Propsteiberg, ersteigen. Neben dem herrlichen Blick über die Stadt kommt man dann bei weiteren Objekten vorbei.
Starten wir also unterhalb der Stadtpfarrkirche bei der ersten Skulptur „Sitzende“ von Silvia Maria Grossmann. Sie entstand im Rahmen der 1. Zwettler Bildhauerwochen der Meisterklasse von Prof. F. X. Ölzant, Akademie der bildenden Künste Wien im Juli 1988. Die über einen Meter hohe Skulptur aus Wachauer Marmor stellt eine weibliche Figur in nachdenklicher Pose dar.
Silvia Maria Grossmann wurde 1957 in Zürich geboren, sie lebt seit 1985 in Wien und arbeitet als freischaffende Bildhauerin und Fotografin. Sie ist Mitglied des Wiener Künstlerhauses, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs.
Es geht weiter Richtung Kampbrücke, wo wir vor der Brücke links abbiegen. Es folgt rechter Hand die Jüdische Erinnerungsstätte und anschließend die „Liegende“ von Martin Schnur. Er schuf im Juli 1988 diese zwei Meter lange Figur aus Wachauer Marmor. Sie stellt eine weibliche Person in liegender Position dar.
Martin Schnur wurde 1964 in Vorau (Steiermark) geboren. Nach dem Studium wendet sich Schnur schnell der Malerei zu, er zählt heute zu den wichtigsten Vertretern der figurativen Malerei in Österreich. Martin Schnur lebt und arbeitet in Wien.
Vorbei an der Johanniskapelle und dem Kriegerdenkmal sehen wir links die Stadtgemeinde und den goldenen Hexaeder das Musikerheim des Musikvereines C. M. Ziehrer. Wir biegen rechts ab, wandern entlang des Parkplatzes und überqueren den Kamp. Hier geht es links dem Kamp folgend bis zum nächsten Kampsteg.
Etwa in der Mitte des Parkplatzes befindet sich die räumlich größte Installation namens „Abudance“ von Leslie de Melo. Er gestaltete die Skulptur aus Holz und Marmor im Juli 1991 im Rahmen der 2. Zwettler Bildhauerwochen. 40 Baumstämme wurden zu einer „Kathedrale“ angeordnet, der davorstehende Stein trägt den Titel „Zentrum des Universums“. Der naheliegende Fluss Kamp ist ein Element, das die Arbeit bereichert.
Das Werk wurde 1992 mit finanzieller Unterstützung der Kulturabteilung des Amtes der NÖ Landesregierung von der Gemeinde angekauft und 1993 auf der Kampwiese aufgestellt, 2002 bis 2003 wurde das Kunstwerk erstmals renoviert.
Leslie de Melo wurde 1953 in Dar-es-Salam (Tansania) geboren, er lebt heute in Wien. Der Künstler ist Absolvent der Meisterschule von Prof. F. X. Ölzant an der Akademie der bildenden Künste Wien und Mitglied des Wiener Künstlerhauses, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs.
Am Ende des Parkplatzes kommen wir über einen weiteren Kampsteg wieder der Stadt näher. Unser Ziel ist der Schulturm der ehemaligen Stadtmauer. Er bildet die Nordostecke der Stadtbefestigung. Noch vor dem Turm steigen wir links die Stufen hinauf. Es geht beim Pflegeheim St. Martin vorbei, dann rechts Richtung Neuer Markt.
Vor dem Pflegeheim treffen wir auf die „Erwartende“ von Hannes Fladerer. Die zwei Meter hohe Frauengestalt wurde im Juli 1988 aus Wachauer Marmor gearbeitet.
Hannes Fladerer wurde 1962 in Graz geboren und lebt und arbeitet seit 2005 in der Südoststeiermark. Neben der Bildhauerei ist er auch als Maler und Zeichner tätig.
Wir verlassen die schmale Schulgasse und wenden uns am unteren Ende des Neuen Marktes nach links. Dort treffen wir auf die Skulptur „Erde“ von Johann Gölles aus dem Jahre 1988. Es ist eine etwa zwei Meter hohe Frauenfigur mit erhobener Hand aus Lindabrunner Konglomerat.
Johann Gölles wurde 1959 in Feldbach (Steiermark) geboren. Er studierte Bildhauerei und Lehramt. Als Bildhauer und Kunsterzieher lebt und arbeitet er in St. Valentin im Mostviertel.
Nun folgen wir dem Neuen Markt nach oben. Am Ende des Platzes wacht etwas erhöht der Auferstandene.
Wir folgen rechts der Berggasse weiter nach oben. Bei der Bahnhofstraße treffen wir wieder auf die ehemalige Stadtmauer, die hier noch bis zum Kesselbodenturm sehr gut erhalten ist. Wir halten uns nach links und sehen nun vor uns den Antonturm, das Wahrzeichen von Zwettl und gleichzeitig die nordwestliche Ecke der Stadtmauer.
Rechts vom Antonturm, stadtauswärts beim Zebrastreifen, bringt uns die sogenannte Talbergstiege hinunter in das Zwettltal. Auf halbem Weg verlassen wir links die Stiegen und nehmen den gemütlicheren flach nach unten laufenden Weg. Hier steht das Ökumenische Kreuz vom Zwettler Künstler Gerhard Lechner aus dem Jahre 2003. Über den kurzen Mühlbachsteg und gleich danach geradeaus über den Zwettlsteg kommen wir rechts zum Zwettlbad.
Beim Parkplatz liegt die „Ruhende“ von Kurt Straznicky aus dem Jahre 1991. Die Skulptur aus Waldviertler Marmor ist 2,20 Meter lang und stellt eine liegende Frau dar.
Kurt Straznicky wurde 1959 in Graz geboren, er studierte neben der Bildhauerei auch Medizin. Seit 1999 hat er einen Lehrauftrag für Anatomisches Zeichnen an der Akademie der bildenden Künste. Heute lebt und arbeitet er in Wien und Riedlingsdorf (Burgenland).
Es geht beim Zwettlbad vorbei zum Eingang der Bundeshandelsakademie.
Rechts vom Eingang steht die „Mutter mit Kind“ von Josef Elter. Die 2,40 Meter hohe Skulptur aus Wachauer Marmor wurde anlässlich der Eröffnung der BHAK Zwettl im Jahre 1980 von Dechant Josef Elter geschaffen.
Josef Elter wurde 1926 in Kljajicevo, Batschka (ehem. Jugoslawien) geboren, ab 1958 war er Priester in Bad Traunstein. Ab 1967 schuf er Skulpturen in Stein und Holz, sowie Holzschnitte. Seine Werke sind in dem von ihm geplanten und errichteten Ausstellungszentrum Josef Elter (erbaut 1992) in Bad Traunstein zu besichtigen. Josef Elter starb 1997 in Zwettl.
Von hier wandern wir wieder zurück. Vorbei an der Volksschule kommen wir zum Stadtsaal.
Am Vorplatz steht das Paar „Beinahe“ von Vincent Mahrer aus dem Jahre 1988. Die etwa zwei Meter hohe Skulptur einer Frau und eines Mannes aus Lindabrunner Konglomerat wurde 1989 beim Stadtsaal aufgestellt.
Vincent Mahrer studierte nach einer Steinmetzlehre Bildhauerei bei Prof. Joannis Avramidis, Akademie der bildenden Künste Wien. Er wurde 1959 in Basel geboren und lebt und arbeitet dort als freischaffender Künstler und Restaurator.
Über den Zwettlsteg geht es wieder zurück und dann rechts entlang der Stadtmauer.
Zu Beginn des Kinderspielplatzes steht der „Steinturm“ von Andrea Stelzhammer aus dem Jahre 1991. Das etwa vier Meter hohe, spiralförmige Kunstwerk wurde aus Waldviertler Bruchstein in der Promenade errichtet.
Andrea Stelzhammer wurde 1964 in Vöcklabruck geboren und lebt heute in Wien.
Kurz darauf liegt der „Stein der Welt“ von Uwe Hauenfels aus dem Jahre 1991 schwebend am Wasser des Mühlbaches. Die aus Muschelkalk gehauene Skulptur ist etwa einen Meter lang und wurde in der Mitte des Mühlbaches platziert. Die Kreuzlinien, die als Muster auf der liegenden Skulptur eingehauen wurden, zeichnen ein sich wiederholendes Bild der vier Elemente.
Uwe Hauenfels wurde 1967 in Waidhofen/Ybbs geboren, 1997 änderte er seinen Namen von Pointner auf Hauenfels und lebte und arbeitete in seinem Atelier in seinem Heimatort, in Wien und in den USA. Er war Mitglied des Wiener Künstlerhauses, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs. Er starb 2016 in Wien.
Wir wandern auf der Promenade geradeaus weiter und folgen der Zwettl. Zwischen Kamp und Weg ragt ein riesiges Händepaar in die Höhe.
Die Skulptur „Hilfe und Dank oder die Einheit“ von Johannes Prinz wurde vom damals 22-jährigen Zwettler Johannes Prinz für die Eröffnung des Caritas-Tagesheim im Jahr 1983 in einjähriger Arbeit gefertigt. Die etwa zwei Meter hohe Plastik aus einem Stahlgerüst und glasfaserverstärktem Polyester hat einen neuen Standort in der Promenade gefunden.
Durch Hilfe werden wir uns der gegenseitigen Abhängigkeit bewusst, und durch Dank erkennen wir die Schönheit dieser Abhängigkeit an. Diese beiden Elemente sind nicht voneinander zu trennen – sie sind die zwei Seiten einer Medaille, die das menschliche Miteinander prägt. In ihrer Verbindung offenbart sich die Einheit des Seins – die Erkenntnis, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen sind, das nur im Miteinander seine volle Bedeutung entfalten kann. Das Ganze ist aber mehr als die Summe seiner Teile. Hilfe und Dank sind lebendige Beweise dafür. Sie zeigen uns, dass die wahre Bedeutung des Lebens nicht in der Isolation, sondern in der Verbindung liegt, dass die höchste Form des Seins in der Einheit zu finden ist, die durch den Austausch von Geben und Empfangen entsteht. Hilfe und Dankbarkeit können als soziale Tugenden verstanden werden, die dazu beitragen, das Vertrauen und die Kooperation innerhalb einer Gemeinschaft zu stärken, was letztlich zur sozialen Einheit führt.
Johannes Prinz wurde 1961 in Zwettl geboren.
Nun queren wir die Zwettl und biegen links Richtung Stadtpark ab.
Neben dem Wanderweg befindet sich die Skulpturengruppe „Liegen – Stehen“ von Martin Osterider aus dem Jahre 1988. Die Skulpturengruppe besteht aus zwei behauenen Lindabrunner Konglomeratsteinen, jeder etwa zwei Meter hoch. Ein Stein ist stehend, ein Stein liegend in einer Mulde im Stadtpark, nahe der Einmündung der Zwettl in den Kamp, platziert.
Martin Osterider wurde 1964 in Graz geboren und lebt und arbeitet – auch als Fotograf – in Graz und Wien.
Schräg gegenüber steht der „Schaufelstrauch“ von Jürgen Engelmayr aus dem Jahre 2016. Bei der Ausstellung „Back in town“ präsentierte Jürgen Engelmayr im Sommer 2023 bei der Kunstschmiede Fürst am Hammerweg Lampen, Skulpturen und Bilder. Der Strauch wurde aus Alteisen ausgeführt.
Jürgen Engelmayr wurde 1971 in Zwettl geboren und lebt und arbeitet heute als Autodidakt vorzugsweise im Alten Bahnhof in Pulkau, welchen er zu seinem Atelier umgebaut hat. Zu seinen bevorzugten Arbeitsmaterialien zählen Eisen, Holz, Aluminium, Acryl, Stahl, Glas, Acryllacke und Ölfarben.
Es geht wieder zurück, über die Brücke und rechts zum Ausgangspunkt unterhalb der Kirche.
Wer eine größere Runde erwandern möchte und drei weitere Skulpturen entdecken will, der bleibt auf dieser Kampseite, lässt die Brücke rechts liegen und biegt gleich danach links ab. Dahinter führt die Propsteistiege hinauf zur Propsteikirche und weiter zum Landesklinikum Zwettl. Entlang der Stiegen befinden sich der Zwettler Kreuzweg und der russische Friedhof.
Links vom Eingang zum Landesklinikum steht die Skulptur „Let´s swing“ von Martin Schrampf aus dem Jahre 1991. Die etwa zwei Meter hohe Skulptur aus Wachauer Marmor erinnert an eine steinerne Welle, die Dynamik und Leichtigkeit ausstrahlt.
Martin Schrampf ist 1968 in Ybbs geboren und lebt in Großglobnitz bei Zwettl. Er beschäftigt sich neben der Bildhauerei auch sehr intensiv mit Fotografie und Grafik sowie als Gestalter von Büchern und Kunstkatalogen.
Wir folgen der Straße weiter und biegen bei der Gerungserstraße rechts ab. Schon etwas unterhalb kommen wir beim Gymnasium vorbei.
Rechts neben den Wartehäuschen der Bushaltestelle steht in der Wiese der „Rücken“ von Wolfgang Krebs aus dem Jahre 1991. Die etwa zwei Meter hohe Skulptur aus Wachauer Marmor stellt einen Rückentorso dar, bei dem die Wirbelkörper und Muskeln sehr schön herausgearbeitet wurden.
Wolfgang Krebs wurde 1959 in Wien geboren und ist seit 1994 sowohl als Maler als auch als Bildhauer freischaffend tätig, er lebt in Traunfeld im Weinviertel.
Etwas dahinter im linken oberen Eck des Wiesendreiecks steht „Perseus mit dem Haupt der Medusa“ von Gerhard Lechner. Die knapp zwei Meter hohe Skulptur aus italienischem Sandstein wurde 1992 von Gerhard Lechner geschaffen.
Gerhard Lechner ein Zwettler Künstler und Autodidakt wurde 1941 in Gleißenfeld (NÖ) geboren und wuchs in Zwettl auf. Er war viele Jahre bis zu seiner Pensionierung als Diplomsozialarbeiter tätig. Den Anfängen seiner künstlerischen Tätigkeit mit Malerei und Grafik folgte ab 1990 die Leidenschaft zur Bildhauerei. Er arbeitete mit den Materialen Holz, Stein und Metall. Gerhard Lechner verstarb 2023.
Wir folgen der Gerungserstraße weiter nach unten und kommen geradeaus wieder zum Stadtsaal und weiter auf die Promenade.




































