Schmiede Ableidinger

Wir stehen vor dem Haus Hamerlingstraße 10 in Zwettl, früher Haffnergasse oder Hafnergasse, im Jahre 1560 Judengasse. Dieses einfache, giebelseitig zur Straße hin aufgeschlossene, Haus ist durch viele Jahrhunderte die Wohn- und Arbeitsstätte eines bürgerlichen Handwerkers. Glücklichen Umständen ist es zu danken, dass dieses Haus von den Modernisierungsschüben des 20. Jahrhunderts unberührt geblieben ist. Es handelt sich somit um eines der letzten, auch heute noch nahezu unversehrt erhaltenen kleinbürgerlichen Häusern in unserer Stadt. An der nahezu schmucklosen Fassade befinden sich noch das Hauszeichen und die handgemalte Geschäftstafel des Schmiedemeisters Ableidinger.

Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger


Das Haus beherbergt seit dem Jahr 1705 bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ohne Unterbrechung ein Huf- und Wagenschmiedegewerbe.

Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger

Stadtarchiv Zwettl – Khauff und Gewöhr Prothocoll der Burgerl. Sta. Maria Annuntiata Bruderschafft in der k.k. Landesfürstl. Stadt Zwettl vom dasigen Magistrat erkaufft den 27ten July 786 A.: „Den 8ten Okt. 1748 hat Joseph Feuerstein burgerl, Hufschmid mit seiner Ehewürthin (das Sie ihr eigenthumliches in der Hafnergassen zwischen denen Benedict Biberhofer= und Michael Neunteufl, obzwar auf gewisse art nunmehro Thomas= Hoffellner Häusern gelegene Haus, und Hufschmidewerkstatt, den Joseph Fux einen Schmidtknecht, und seiner zukünfftigen Ehew. Theresia um 350 f Kauffschilling verkaufft haben) beym Grundbuch angezeigt, und in ansehung der Gewähr mündliche aufsandung gethan. Das Veränderungspfundgeld ist sogleich in das Cameramt bezahlt worden mit 7 f.“

Stadtarchiv Zwettl – Khauff Protcoll von A. 1773 bis Lib. B.: „Der Johann Helmreich gewest-burgerl. Schmid allhier, und Anna Maria dessen Ehewürthin verkauffen dem Johann Jordan laut producirten Aufsaz ihr eigenthumliche Behausung in der Hafner Gassen samt Schmid-Gewerb um 650 fl, und 2 Ducaten Leykauff, woran inhalt producirter Helmerischen Quittung, und mündlich von der Anna Maria Helmreichin gethanen Contestation 300 fl, und der Leykauf abgeführt, die restirende 350 fl bey sein des Kauffer Johann Jordan Schmidgesellen, und gerichtlich-Schallenbergischen Unterthann in der Syrnau Zwettel vereheligung zu erledigen bedungen worden. Welcher Verkauff auch anheute gegen deme magistratlich verwilliget worden, daß der Kaufschillings Rest pr. 350 fl der Gewohnheit nach zu Stadt Gerichts handen baar erlediget werde, und die respectu des Schmid Gewerbs Inhalt k.k. Creis Amt Circularis dd. 1ten Aug. 774 zu erwarten, und die Entlassung beygebracht seyn wird. Worüber von allersetis Interessirten gerichtl. angelobt- und von dem Kauffer Johann Jordan das Veränderungs Pfund-Geld á 2 fl in das Cammer Amt abgeführt worden.“

Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
In früherer Zeit werden in vielen bürgerlichen Häusern Reit- und Zugpferde gehalten. Die Bürger einer Kleinstadt wie Zwettl betrieben neben ihrem Gewerbe- oder Handelsunternehmen nämlich immer auch Landwirtschaft. So kommt dem Schmiedegewerbe einst große Bedeutung zu. In der Hamerlingstraße sind seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis in das frühe 20. Jahrhundert ständig drei bis vier Huf- und Wagenschmiede gleichzeitig ansässig.


Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Schmiede Ableidinger
Im Untergeschoß des Hauses Hamerlingstraße 10 befindet sich heute noch eine komplett eingerichtete Werkstatt aus dieser Zeit. In der Toreinfahrt rechts werden damals Pferde beschlagen, Pflüge, landwirtschaftliche Geräte und Fuhrwerke repariert. Das spartanisch ausgestattete Obergeschoß dient als Wohn- und Schlafraum.

Das gesamte Anwesen ist seit einigen Jahren im Besitz der Stadtgemeinde Zwettl. Es sieht einer Nutzung entgegen, die seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung entspricht.

Regelmäßig findet hier ein sogenanntes „Schau-Schmieden“ statt.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.