Naturdenkmal Großer Kamp
(48.50803, 15.03746) bis (48.53052, 15.11170)

Abschnitt zwischen Pegel Neustift und der Diethartsmühle


Großer Kamp
Pegel Neustift

21.06.1990 zum Naturdenkmal erklärt.

ND-ZT-166

Der Große Kamp ist auf nahezu der gesamten für das Naturdenkmal beantragen Strecke weitgehend naturbelassen und weist einen ausgesprochenen Reichtum an unterschiedlichen Strukturen auf. Auch vegetationsmäßig ist der Kampabschnitt an den unzugänglichen Stellen durch weitgehende Ursprünglichkeit gekennzeichnet bzw. besitzt er innerhalb der Wiesenbereiche einen durchgehenden Uferbewuchs, bestehend vor allem aus Erle und Weide.

Diese Voraussetzungen ermöglichen eine Vielzahl an Habitaten für die Tierwelt, vor allem für solche Tierarten, die gegenüber dem menschlichen Einfluss besonders empfindlich und daher sehr selten sind.

Hierzu gehört als bedeutender und bereits vom Aussterben bedrohter Vertreter der Tierwelt, der Fischotter. Eine weitere gefährdete Säugetierart, die den Großen Kamp bewohnt, ist die Wasserspitzmaus. Der Große Kamp zählt darüber hinaus zu den wichtigsten Habitaten der Flussperlenmuschel im Waldviertel.


Die flache Wiesenstrecke östlich von Feuranz wird etwa 500 m vor Beginn einer weiteren Steilstufe von der Landesstraße 7316 auf einer neuen Brücke überquert, an der sich der Pegel Neustift befindet. Hier liegt also der westliche Beginn jener Flussstrecke (48.50803, 15.03746), auf die sich die Unterschutzstellung bezieht.

Diese Strecke beginnt mit einem ca. 100 m langen Regulierungsabschnitt, der im Zuge des Brückenbaues errichtet worden ist und eine Anzahl älterer Flussschlingen abgeschnitten und trockengelegt hat. Von hier abwärts ist allerdings der gesamte Flusslauf bis zur Diethartsmühle naturbelassen, mit nur wenigen Straßenquerungen und insgesamt vier bestehenden rechtlich aufrechten Wasserkraftanlagen, und zwar:

● Heumühle in der KG Lembach
● Bruckmühle in der KG Oberrabenthan
● Kampmühle in der KG Ritterkamp
● Diethartsmühle in der KG Dietharts

Die Wehranlage des ehemaligen Kraftwerkes der EVN (vormals NEWAG) in der KG Reichenbach besteht noch, das Wasserrecht ist jedoch gelöscht. Ein neues Wasserrecht ist noch nicht wieder verliehen und die Wiedererrichtung dieser Wasserkraftanlage naturschutzrechtlich rechtskräftig untersagt.

Von anderen älteren Anlagen finden sich nur noch spärliche Reste.

Unmittelbar auf die Regulierungsstrecke beim Pegel Neustift folgend findet sich auf ca. 100 m Länge eine ebene Wiesenstrecke mit geschlungenem Flusslauf und geschlossenem Saum von Ufergehölzen. Das östliche Ende dieser Wiesenstrecke ist allerdings weitgehend aufgeforstet. Nach einer Blockschwelle beginnt eine lebhafte Gefällestrecke, die bis zur Stauwurzel der Wehranlage der Heumühle führt und in deren Verlauf einige Male das Flussbett fast zu Gänze oder im Bereich einer engen Schluchtstrecke zwischen steilen Felsen vollständig mit einem Felssturz überdeckt ist. Das beiderseits anschließende Gelände ist bewaldet, mit zum Teil steilen und felsigen Talflanken.

Großer Kamp
Die Schlucht
Großer Kamp
Die Schlucht
Großer Kamp
Die Schlucht

Entlang der Flussstrecke bis zur Heumühle führt an einigen Stellen des Kampflusses der markierte Große Bärentrail. Einige schmale Steige ermöglichen den Zugang.

Bei der Heumühle, etwa ab der Einmündung des Neustifterbaches findet sich südlich des Flusslaufes eine kleine Wiese mit einer Häusergruppe. Von hier flussabwärts bis Oberrabenthan und nach kurzer Unterbrechung durch die Landesstraße 7309 ab der Bruckmühle bis Ritterkamp führt am Nordufer des Flusses ein markierter Wanderweg, der teilweise Fußwege, teilweise Fahrwege benützt.

Großer Kamp
Bei der Heumühle
Großer Kamp
Bei der Heumühle
Großer Kamp
Bei der Heumühle

Der folgende Talabschnitt zwischen Heumühle und dem ehemaligen EVN-Kraftwerk heißt im Volksmund “Paradies”. Der Kamp fließt hier in einer lebhaften aber nicht sehr steilen Strecke zwischen Waldhängen (ausgenommen ein Wiesenabschnitt nahe der Reichenbacherbrücke und ein weiterer in der Nähe der ehemaligen EVN-Wehr). Das Flussbett ist relativ flach und weithin mit Steinen übersät, die kleine Inseln (z. T. mit Baumbeständen) und Blöcke im Wasserlauf bilden. Dieses Blockwerk greift auch in die Ufer ein und reicht stellenweise über sie hinaus.

Knapp vor dem Ende der Talstrecke, ca. 200 m südlich des ehemaligen EVN-Kraftwerkes, findet sich eine kurze Gefällestufe, die die Reste einer früheren Wehranlage einschließt.

Folgende Wanderwege führen durch das Paradies:
Panoramaweg 7
Großer Bärentrail – Teil 2B
Kirchbach von der Brettersäge zur Hammerschmiede

An den Talausgang des “Paradies” schließt eine kurze ebene Wiesenstrecke an, die kurz hinter der Wehr der Bruckmühle endet.

Großer Kamp
Im Paradies
Großer Kamp
Im Paradies
Großer Kamp
Im Paradies
Großer Kamp
Im Paradies
Großer Kamp
Im Paradies
Großer Kamp
Das Ende vom Paradies

Bei der Bruckmühle (Brücke der Landesstraße 7309) beginnt eine kurze und steile Gefällestrecke mit viel Blockwerk im Flussbett, die etwa bei den Wiesen unter dem Lebzelthof in eine ruhige Wiesenstrecke mündet. Der Fluss verläuft hier in weiten Bögen mit nur geringen Schlingen und relativ hohen Ufern sowie durchgehendem Saum von Ufergehölzen, streckenweise an seitliche Waldhänge gelehnt, bis zum Eintritt in eine neue enge Talstrecke im Bereich der KG Annatsberg.

Großer Kamp
Bei der Bruckmühle
Großer Kamp
Blockwerk im Flussbett
Großer Kamp
flache Wiesenstrecke

Die folgende Talstrecke mit relativ steilen Waldhängen (Schluchtwald) führt durch jenen Bereich, wo die “Vitiser Störung” quert, was sich in der großen landschaftlichen Form äußerst. Der Flussabschnitt ist lebhaft bewegt, aber nur mit wenigen Felsbildungen. Die Ufer weisen auch innerhalb des Waldgebietes Ufergehölze auf.

Beim Eintritt in eine neuerliche flache Wiesenstrecke findet sich eine kurze Gefällestufe, die offensichtlich den Rest der verfallenen Bruckhofwehr bildet. Die anschließende Wiesenstrecke verläuft bis zur Brücke der Bundesstraße 124 ruhig. Unterhalb dieser Brücke führt eine kurze Gefällestufe zum Rückstauraum der Kampmühle in Ritterkamp. Die hier laut Kataster liegende Inselparzelle ist nicht klar erkennbar und möglicherweise durch Verlegung des Flussbettes des Kamp in ihrer katastermäßigen Form nicht mehr vorhanden.

Die dem Zusammenfluss von Großen und Kleinen Kamp folgende Flussstrecke des Kamp läuft in weiten Bögen innerhalb einer schmalen Talebene. Die Prallufer des Flusses verlaufen jeweils entlang von stark felsdurchsetzten Waldhängen, denen gegenüber flache Wiesen liegen. Der Kampfluss rückt dabei zeitweilig knapp an die hier entlang verlaufende Landeshauptstraße. Im Flussbett selbst finden sich hier stellenweise grobe Granitblöcke, die offensichtlich von den am Ufer befindlichen steilen Felsbildungen in den Fluss abgerollt sind. Hier finden sich auch vereinzelt steilen Felsbildungen kleine, zum Teil mit Bäumen bewachsene Inseln.

Großer Kamp
Bei Ritterkamp
Großer Kamp
Bei Ritterkamp
Großer Kamp
Bei Ritterkamp

Beim Eintritt in eine etwas breitere Wiesenebene, die bis zur Wehr der Diethartsmühle reicht, bestand früher eine größere Insel zwischen zwei Flussarmen.

In der Natur ist der westliche Teil des nördlichen Armes des Kamp vollständig verschüttet und die gesamte Fläche als Ackerland genutzt. Der (größere) östliche Teil dieses Flussarmes besteht noch und ist als Laichgebiet besonders bedeutsam.

Großer Kamp
Ritterkamp Richtung Roiten
Großer Kamp
Die Diethartsmühle
Großer Kamp
Felsgebilde

Unmittelbar unterhalb der Wehr der Diethartsmühle tritt der südliche Waldhang mit einem riesenhaften Felsgebilde an den Fluss direkt heran und überragt ihn mit einem mehrere Meter breiten Überhang. Unterhalb der Diethartsmühle folgt noch eine ca. 150 m lange Flussstrecke bis zur Kampbrücke der Landeshauptstraße 72 (48.53052, 15.11170).

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