Naturdenkmal Großer Kamp
(48.50621, 14.91767) bis (48.50497, 14.96743)

Abschnitt zwischen der Landesgrenze zu Oberösterreich (Brücke Güterweg Schönbichl) und der Brücke L7315



16.02.1998 zum Naturdenkmal erklärt.

ND-ZT-176


Die Bezirkshauptmannschaft Zwettl erklärt den Flusslauf des „Großen Kampes“ zwischen der Landesgrenze zu Oberösterreich (Brücke Güterweg Schönbichl) und der Brücke L7315 mit den unten angeführten Flussparzellen einschließlich aller auf diesen Parzellen liegenden Inseln und Felsbildungen, der Flusssohle sowie den Ufersaum samt den dort befindlichen Felsen und Gehölzen, soweit sie auf den genannten Grundstücken liegen, zum Naturdenkmal.

Der Große Kamp entspringt am Rande eines großen Waldgebietes südöstlich von Karlstift direkt an der Landesgrenze zu Oberösterreich, die der in den folgenden ca. 13 km bis etwa zur Ortschaft Komau bildet, bevor er ganz auf das Gebiet von Niederösterreich übertritt. Diese oberste Strecke des Großen Kampes verläuft überwiegend in flachen Muldentälern mit nur vereinzelten Engstellen etwa bis zum oberen Ende des Höllfalles bei Pretrobruck. (Dieser Höllfall ist seit 18.03.1930 erklärtes Naturdenkmal).

Der Große Kamp tritt bei der Brücke des Güterweges Schönbichl auf niederösterreichisches Landesgebiet. Von hier abwärts ist der gesamte Flusslauf bis Hammermühle naturbelassen, mit nur wenigen Straßenquerungen und zwei bestehenden Wasserkraftanlagen (Stand 16.02.1998):

Hofmühle mit Mühlbach in der Katastralgemeinde Kamp
Hammermühle in der Katastralgemeinde Kamp.

Unterhalb der Brücke des Güterweges Schönbichl ist der Große Kamp ein relativ schmaler, etwa 2 – 3 m breiter, naturbelassener Wiesenbach mit geschlungenem Lauf und einem geschlossenen Saum von Ufergehölzen, welche vorherrschend aus Schwarzerlen (Alnus glutinosa) bestehen. Diese erste Wiesenstrecke ist relativ flach und eben. Das Flussbett ist natürlich und reich strukturiert, das Sediment in den Schlingen durch die natürliche Fließgeschwindigkeit zwischen Prallhang und Gleithang von fein bis grob sortiert. Stellenweise liegen charakteristische größere Blöcke im Fluss. Kontrollen ergaben, dass Flussperlenmuscheln (Margaritifera margaritifera) vorhanden sind. Beim Herannahen des Beobachters flüchtete eine Wasseramsel (Cincla cincla). An einem größeren Stein wurde eine Losung und im Schnee (14. April 1997) Spuren des Fischotters (Lutra lutra) gefunden. Individuenarm ist die wahrscheinlich autochthone Bachforelle (Salmo trutta f. fario), was darauf hindeutet, dass kaum ein nennenswerter Besatz eingebracht wird.

Nach dieser ersten oberen Wiesenstrecke verdichtet sich das Ufergehölz und einzelne Fichten stehen am Ufer. Auch treten breiter gewordenen Fluss erstmals Inseln auf, Schwarzerlenwurzelstöcke fußen auf feinkörnigem Sediment. Die Strömung nimmt zu und jetzt befinden sich schon größere Felsblöcke im beschatteten Fluss. Kontrollen ergeben, dass vereinzelt Flussperlmuscheln vorhanden sind. Besonders erfreulich ist, dass sich auch kleinere, jüngere, lebende Exemplare unter der Population befinden. Andererseits wurden aber auch leere Flussperlmuschelschalen gefunden. Ob die Bisamratte (Ondatra zibethica) an der Prädation und somit Mortalität, der Flussperlmuschel, einen Anteil hat oder nicht, ist wissenschaftlich noch nicht belegt. An strömungsberuhigten Gleitufern glitzert es golden im Feinsediment: es handelt sich um Glimmerplättchen, das auch als ‚Katzengold‘ bezeichnet wird.

Rechtsseitig mündet der aus Oberösterreich kommende, naturbelassene mäandrierende Komaubach in den Großen Kamp. Nun beginnt eine romantische Schluchtstrecke im Wald. Aufgrund des größeren Gefälles herrscht jetzt eine stärkere Strömung. Viele große Felsblöcke finden sich am Ufer, aber auch im Bachbett, das Tümpel, Kolke und Stromschnellen aufweist. Gischt, Walzen und Wirbel kennzeichnen die Strömungsverhältnisse. Es ist an der sonst angenehmen Ruhe ein deutliches Rauschen des Flusses zu hören. Zwischen großen Felsbrocken sind an einzelnen Stellen kleinere bis massive Gischtfahnen ausgebildet. Der Fluss zwängt sich in zahlreichen Kaskaden über viele im Flussbett liegende Felsblöcke. Die weißgischtend abstürzenden Wassermassen sind Ausdruck und Inbegriff der landschaftsformenden und -gestaltenden Kraft des Wassers. Im Unterholz des Waldes entdeckt man nahe dem Großen Kamp ein uraltes Mauerwerk, wahrscheinlich die Überreste einer verfallenen, mittelalterlichen Mühle.

Nach dieser Schluchtstrecke tritt der Kampfluss, nun schon breiter geworden, wieder auf eine ebenere Wiesen- und Weidefläche. Die Strömung ist wieder mäßiger. Nach einer kürzeren Distanz ist der Rückstau der Hofmühle bemerkbar. Über den Großen Kamp führt die Brücke der Greiner Straße (B 119). Der Fluss selbst, aber auch der Mühlbach der Hofmühle sind ziemlich naturbelassen, und weisen eine recht große Strukturierung auf. Dort, wo der Mühlbach wieder in den Kamp mündet, ist es nicht mehr weit bis zum Ende der Naturdenkmalstrecke an der Brücke L 7315.

Anschließend folgt die Naturdenkmalstrecke zwischen Brücke L7315 und Pegel Neustift.

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