Naturschutzkonzept


Ein Auszug aus dem Naturschutzkonzept vom Amt der NÖ Landesregierung – Abteilung Naturschutz – Februar 2015


Meilensteine und Erfolge des Naturschutzes in Niederösterreich

• 1869 Erste gesetzliche Regelungen zum Schutze einiger Vogelarten während ihrer Brutzeit

• 1872 Der Schutz des Wienerwaldes wird nach Protesten der Öffentlichkeit gegen die Abholzung rechtlich fixiert

• 1924 Niederösterreich erlässt das erste Landesnaturschutzgesetz in Österreich

• 1927 Das erste Naturschutzgebiet Österreichs, die Weikendorfer Remise, entsteht in Niederösterreich

• 1951 Niederösterreich beschließt als erstes Bundesland in der zweiten Republik ein neues Landesnaturschutzgesetz

• 1962 Gründung des 1. Naturparks in Österreich (Sparbach im Wienerwald)

• 1972 Gründung des Arbeitskreises „Schutz der Wachau“ und Widerstand gegen die Pläne zur Errichtung eines Donaukraftwerks in der Wachau

• 1979 Bereits über 25 verordnete Naturschutzgebiete in Niederösterreich

• 1982 Definitiver Beschluss der Bundesregierung, kein Donaukraftwerk in der Wachau zu errichten

• 1983 Das Ramsar-Gebiet Donau-March-Auen wird international anerkannt

• 1984 Proteste gegen den Bau eines Wasserkraftwerks an der Donau bei Hainburg füh- ren zur definitiven Aufgabe dieses Vorhabens

• 1985 Gründung der NÖ-Umweltanwaltschaft

• 1993 Einrichtung des NÖ Landschaftsfonds

• 1995 Beitritt Österreichs zur EU und Übernahme der EU-Naturschutzrichtlinien; Beginn des Aufbaus des österreichischen Natura 2000-Netzwerks

• 1995 Start des ersten LIFE-Natur-Projekts in Niederösterreich

• 1995 Beginn der Förderung naturschutzfachlicher Maßnahmen im Rahmen des ÖPUL1

• 1996 Gründung des Nationalparks Donau-Auen, die internationale Anerkennung erfolgt im Jahr 1997

• 2000 Novellierung des NÖ Naturschutzgesetzes (u.a. Inkludierung europarechtlicher Grundlagen)

• 2000 Gründung des Nationalparks Thayatal, die internationale Anerkennung erfolgt im Jahr 2001

• 2000 Aufnahme der Wachau in die Liste des UNESCO-Welterbes

• 2003 Das Wildnisgebiet Dürrenstein wird von der IUCN als Kategorie I Wildnisgebiet international anerkannt

• 2005 Der Biosphärenpark Wienerwald wird von der UNESCO international anerkannt

• 2009 Bereits über 60 verordnete Naturschutzgebiete in Niederösterreich

• 2009 Fertigstellung der Verordnungen für Europaschutzgebiete gem. EU Vogelschutz- Richtlinie (2009/147/EC)

Naturschutz in Niederösterreich vor Gründung der Ersten Republik

Am Beginn des Naturschutzes im 19. Jahrhundert stand, nicht nur in Niederösterreich, der Schutz von Arten, die durch Verfolgung und Sammeln in ihrem Bestand gefährdet schienen. Einzelne Regelungen gab es jedoch schon seit dem Mittelalter. Diese betrafen insbesondere die Jagd, die Fischerei und den Wald. So gab es im Alpenraum schon früh Verfügungen zum Schutz des Waldes, vor allem auch zur Sicherung von Siedlungen und dem Quellwasser.

Eine wichtige Initialzündung für den Naturschutz in Niederösterreich (und über Niederösterreich hinaus) stellte die drohende Abholzung des Wienerwaldes dar. Dessen Rettung ist untrennbar mit dem Namen Josef Schöffel verbunden. Der Geologe, Publizist und Politiker setzte sich vehement für den Schutz des Wienerwaldes ein. In den 1860er-Jahren waren etwa 30.000 Hektar des Wienerwaldes dem Finanzministerium unterstellt worden. Ein Holzhändler aus Wien bekam zudem das Monopol zum Holzeinschlag zugesprochen. Daraufhin entstanden viele große Kahlschläge. Letztendlich sollten alle staatseigenen Teile des Wienerwaldes durch das k. k. Staatsgüter-Verschleißbureau an Private verkauft werden. Mit der Unterstützung von Freunden aus Politik, Wissenschaft und Journalismus begann Josef Schöffel 1870 einen publizistischen Kampf gegen die Privatisierung und Zerstörung des Wienerwaldes (Trumler, 1985). Dieser endete im Jahr 1872 mit dem dauerhaften Schutz des Wienerwaldes. Der wichtigste niederösterreichische Naturschutz-Preis wurde ihm zu Ehren benannt.

Auch andere Vorgänger heutiger Schutzgebiete entstanden bereits vor dem 1. Weltkrieg. Die Naturschutzkommission des wissenschaftlichen Vereins „Zoologisch-Botanische Gesellschaft“ pachtete mehrere Gebiete mit besonderen Tier- und Pflanzenvorkommen in Niederösterreich an (z.B. Zeiserlberg bei Ottenthal, Mühlberg bei Goggendorf). Daraus entstand später das eine oder andere rechtlich geschützte Gebiet.

Naturschutz in Niederösterreich von 1918 bis 1945

Im Jahr 1924 erließ Niederösterreich als erstes Bundesland Österreichs ein eigenes Naturschutzgesetz. Neben dem schon davor teilweise durch Verordnungen geregelten Schutz von einzelnen Pflanzen- und Tierarten sowie von Banngebieten2 wurden durch das neue Gesetz erstmals die Voraussetzungen für den Gebietsschutz und den Schutz des Landschaftsbildes geschaffen. Von 1939 bis 1945 bildete das Reichsnaturschutzgesetz die Naturschutz-Rechtsmaterie für das Gebiet des heutigen Niederösterreichs.

Auf Basis des Naturschutzgesetzes von 1924 wurde im Jahr 1927 das erste Naturschutzgebiet geschaffen. Es handelte sich hierbei um die Weikendorfer Remise im Marchfeld. Bis zum Jahr 1945 wurden insgesamt acht Naturschutzgebiete etabliert, u.a. das Vorkommen des Österreichischen Drachenkopfs (Dracocephalum austriacum) am Teufelstein bei Kalten- leutgeben sowie der schon vor dem 1. Weltkrieg angepachtete Mühlberg bei Goggendorf, ein artenreicher Trockenrasen. Auf Basis des Gesetzes von 1924 wurden in den 1920er-Jahren auch die ersten Naturdenkmäler ausgewiesen.

Naturschutz in Niederösterreich von 1945 bis zum Beitritt Österreichs zur Europäischen Union

Das erste Landesnaturschutzgesetz in Österreich nach dem 2. Weltkrieg wurde im Jahr 1951 in Niederösterreich beschlossen und seitdem mehrmals novelliert. Viele Neuerungen wurden im niederösterreichischen Naturschutz damit initiiert. Naturparke mit dem Schwerpunkt Naherholung und Natur- bzw. Umweltbildung sind entstanden. Der erste Naturpark wurde 1958 bei Sparbach im Wienerwald geschaffen. Mittlerweile gibt es in Niederösterreich insgesamt 23 Naturparke. Auch zahlreiche Landschaftsschutzgebiete (bis heute insgesamt 29) wurden auf Basis des neuen Naturschutzgesetzes etabliert. Stetig stieg auch die Zahl der niederösterreichischen Naturschutzgebiete an: Bis zum Jahr 1995 waren es 43. Allein im Zeitraum von 1979 – 1981 wurden 16 Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Der Schutz kleinsträumiger Naturgebilde (z.B. alte Bäume, Felsformationen) und Vorkommen seltener Arten wird durch die Ausweisung von „Naturdenkmälern“ gewährleistet. Im Jahr 1992 bestanden mehr als 1500 Naturdenkmäler in Niederösterreich, darunter etliche besonders bemerkenswerte wie z.B. das weltweit erste Schutzgebiet für Urzeitkrebse (1982 bei Marchegg). Früh schon strebte der Landesnaturschutz die Zusammenarbeit mit Naturschutz Vereinen an und unterstützte deren Arbeit finanziell. Regelmäßig wurden auch wissenschaftliche Arbeiten gefördert, u.a. mit Zuschüssen für relevante Diplomarbeiten und Fachpublikationen. Seit 1976 vergibt das Land Niederösterreich alle zwei Jahre den Josef Schöffel- Förderungspreis für besondere Verdienste im Naturschutz. Weiters gibt es den jährlich dotierten Hans Czettel Förderungspreis für besondere Leistungen im Natur- und Umweltschutz in Niederösterreich.

Mit den „Donau-March-Auen“ wurde 1983 das erste Ramsargebiet in Niederösterreich etabliert und international anerkannt. Die Ramsar-Konvention dient dem internationalen Schutz der Feuchtgebiete und der daran gebundenen Vogelarten. Ein Jahr später verhinderten Pro- teste den Bau eines Wasserkraftwerks bei Hainburg.

Sehr wichtig für den Naturschutz in Niederösterreich war die Gründung des NÖ Landschaftsfonds 1993. Damit wurde u.a. auch die finanzielle Grundlage für Pflegemaßnahmen in Naturschutzgebieten geschaffen.

Naturschutz in Niederösterreich nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995

Neue Rahmenbedingungen für den niederösterreichischen Naturschutz entstanden 1995 mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und der damit verbundenen Übernahme der EU-Rechtsmaterie. Insbesondere die Umsetzung der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie setzten neue Maßstäbe und eröffneten neue Möglichkeiten. Schon im ersten Jahr wurde ein von Niederösterreich eingereichtes und von der EU zu 50 % kofinanziertes LIFE-Natur Projekt bewilligt. Bis Ende 2009 wurden in Niederösterreich 18 LIFE-Natur Projekte umgesetzt bzw. bewilligt, davon vier Projekte gemeinsam mit anderen Bundesländern und drei gemeinsam mit Nachbarstaaten.

Im Jahr 1995 begann weiters die Förderung von Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL. Insbesondere trugen langjährige Stilllegungen, die Förderung der naturnahen Bewirtschaftung ökologisch wertvoller Flächen (v.a. artenreiche Wiesen) und das Programm „Ökopunkte“ seit 1995 viel zur Erhaltung wertvoller Lebensräume bei.

Ab der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurden auch die langjährigen Bemühungen um die Schaffung von großräumigen Schutzgebieten von Erfolg gekrönt. 1996 entstand der Nationalpark Donau-Auen und 2000 der Nationalpark Thayatal. Im Jahr 2003 wurde das Wildnisgebiet Dürrenstein und 2005 der Biosphärenpark Wienerwald international anerkannt. Ein wichtiger Schritt war auch die Aufnahme der Wachau in die Liste des UNESCO-Welterbes im Jahr 2000. Im selben Jahr trat außerdem das neue NÖ Naturschutzgesetz 2000 in Kraft. Die Bestimmungen der EU-Richtlinien zum Schutz von Arten und Lebensräumen wurden hier rechtlich umgesetzt.

Die Einrichtung großräumiger Schutzgebiete und die LIFE-Natur Projekte bewirkten auch einen rasanten Anstieg der Zahl und Fläche an Naturschutzgebieten in Niederösterreich, da entweder neue Naturschutzgebiete eingerichtet oder ältere erweitert wurden. 2006 wurde das 50. Naturschutzgebiet verordnet und Ende 2009 waren es bereits 68. Die Flächenausdehnung der Naturschutzgebiete verdoppelte sich von 2000 bis 2009 auf nun über 13.200 ha. Alleine die Kernzonen des Biosphärenparks Wienerwald (ausgewiesen als insgesamt 11 Naturschutzgebiete) umfassen 4.858 ha.