Klosterlandschaftsweg 59

>> Länge: 8,8 km | Höhe: 133 m | Dauer: 02:15 <<

Stift Zwettl

Der Zisterzienserorden hat im Mittelalter europaweit nach einheitlichem Muster nicht nur Klöster gebaut. Die Mönche hatten die Aufgabe, das sumpfige Land urbar zu machen und mit eigener Hände Arbeit zu bewirtschaften. Sie errichteten Wirtschaftshöfe, sogenannte Grangien, bauten Mühlen und legten Teiche an. Nur wenige Klosterlandschaften sind europaweit so herausragend erhalten wie die Kulturlandschaft um das Stift Zwettl.


Fotos aufgenommen 2023
Wandern im flachen GeländeNordic Walking geeignetRundwegDurchgehende Beschilderung !Einkehrmöglichkeit in Zwettl und Stift ZwettlAuch mit dem Mountainbike befahrbar

59Der Klosterlandschaftsweg mit der Nr.59 führt auf dem alten Wallfahrtsweg, soweit es heute noch möglich ist, von der Stadt Zwettl zum Stift Zwettl und zurück. Zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten liegen entlang des Weges. Wir starten bei der Stadtpfarrkirche in Zwettl und steigen die Stufen zum Hauptplatz hinauf. Am Hundertwasserbrunnen und beim alten Rathaus vorbei, biegen wir rechts in die Hamerlingstraße ein. Am Platz der heutigen Sparkasse erhielt das Stift im Jahre 1320 einen Freihof mit allen Bürgerrechten, auch dem Recht des Weinschanks. 1736 verkaufte Abt Melchior Zaunagg den Freihof an einen Zwettler Bürger.

Start bei der Kirche
Start bei der Kirche
Am Hauptplatz
Am Hauptplatz
Das alte Rathaus
Das alte Rathaus

Am Ende der Hamerlingstraße liegt linker Hand der Neue Markt. Das Stift besaß auch hier ein zusätzliches Stadthaus, das sogenannte „Untertanenhaus“ am Neuen Markt 7. Das Haus ist in seinen Umrissen erhalten, die Fassadengestaltung entspricht dem Stil des 20. Jahrhunderts.

Entlang der Klosterstraße geht es nun stadtauswärts bis zum Kreisverkehr und geradeaus weiter zur Allentsteigerstraße. Am linken Kampufer befindet sich die ehemalige Stiftstaverne. Auch dieses Gebäude war einst Freihof und ursprünglich im Besitz der Kuenringer. Später gehörte es zum Stammbesitz des Zisterzienserstiftes Zwettl und war herrschaftliche Taverne. Wie der kleinen roten Marmortafel über dem Eingang zu entnehmen ist, ließ Abt Ulrich Hackl im Jahr 1590 dieses Haus als herrschaftliche Taverne von Grund auf neu erbauen. 1725 verkaufte Abt Melchior Zaunagg die Taverne an einen Bürgerlichen, was den Verlust des Freihofprivileges für den Tavernenhof bedeutete. Heute befindet sich das Haus in Privatbesitz und ist nicht mehr als Gasthof genutzt. Zusammen mit der Oberhofmühle am gegenüberliegenden Kampufer bilden sie ein eindrucksvolles Ensemble an der Zufahrtsstraße nach Stift Zwettl.

Hamerlingstraße
Hamerlingstraße
Das ehemalige Untertanenhaus
Das ehemalige Untertanenhaus
Die ehemalige Stiftstaverne
Die ehemalige Stiftstaverne

Wir folgen nun dem Kampufer bis zum Hussitenkreuz und später vorbei an der Bozener Siedlung. Am Ortsende steigt die Straße leicht an und führt über den sogenannten Teufelsberg. Am obersten Ende steht das Panaglkreuz aus dem Jahre 1690 rechts hinter Bäumen versteckt. Kurz darauf geht es über die Umfahrungsstraße Zwettl und wir biegen rechts in den Begleitweg ab. Schon nach 300 Metern geht es linker Hand Richtung Wald und am sogenannten Hopfenbergsteig Richtung Stift Zwettl.

Rittersprung
Rittersprung
Hussitenkreuz
Hussitenkreuz
Panaglkreuz
Panaglkreuz

Dipl.-Ing. Angelika Ruhland und Dipl.-Ing. Hansjörg Haslach schreiben in ihrem Bericht über die Kulturlandschaftsinventarisation der Klosterlandschaft Stift Zwettl:

Grundstücke

„Bei der Analyse der Flurformen im Umfeld von Stift Zwettl fällt auf, dass im Umfeld der Grangien blockförmige Parzellierungen anzutreffen sind, während im übrigen Raum streifenförmige Parzellenmuster eindeutig vorherrschen. Auf diese Weise scheint sich die ehemals unterschiedliche Stellung der ursprünglich in Eigenwirtschaft betriebenen Höfe des Klosters auf der einen Seite und der bäuerlichen Siedlungen auf der anderen Seite in der Landschaft abzubilden. Es muss offen bleiben, ob die abweichenden Flurmuster auch unterschiedlichen Zeitschichten zugeordnet werden könnten. Ebenso kann nur spekuliert werden, ob die Parzellierungen als primäre Erscheinungen anzusehen sind oder erst im Zuge späterer Veränderungen entstanden sind.“

Ein Blick auf die Grundstücksverteilung bestätigt diese Analyse. Rund um Stift Zwettl und die ehemaligen Grangien Dürnhof, Edelhof, Koblhof, Ratschenhof und Kleehof kann man sehr gut die blockförmigen Parzellierungen erkennen.


Links von uns erhebt sich die Hopfenbergbreite. Wie uns der Name verrät wurde hier Hopfen angebaut. In den Jahren 2016/17 wurde auf der zuvor schrägen Wiese Aushubmaterial von der Zwettler Umfahrungsbaustelle gelagert. Insgesamt 1,1 Millionen Kubikmeter, umgerechnet zirka 20.000 Lkw-Ladungen Erdreich formten aus der Wiese einen künstlichen Berg.

Abzweigung Umfahrung
Abzweigung Umfahrung
Hopfenbergbreite
Hopfenbergbreite
Am Wegesrand
Am Wegesrand

Am Weg durch den Wald kommen wir auf einen ruhigen Platz, in dessen Zentrum eine Granitsäule mit Muttergottesstatue aus dem Jahre 1718 steht. Langsam nähern wir uns dem Stift Zwettl. Ein Besuch im Zisterzienserkloster mit Gärten, Bibliothek und Wirtschaftsgebäuden bietet sich an.

Muttergottesstatue
Muttergottesstatue
Stift Zwettl - Spitalkirche
Stift Zwettl – Spitalkirche
Stift Zwettl
Stift Zwettl

Zurück geht es nun am Kampufer entlang alter Wanderrouten Richtung Zwettl. Wir folgen zuerst der Straße hinunter ins Kamptal zur romanischen Brücke. Über den Kamp führen viele Brücken, keine ist aber so bemerkenswert wie die Brücke in unmittelbarer Nähe des Stiftes Zwettl. Diese Brücke wurde im 12. Jahrhundert von den Zisterziensern auf gewachsenem Fels errichtet und ist die älteste in Niederösterreich und zudem eines der ältesten erhaltenen technischen Denkmäler Österreichs.

Romanische Brücke

Der Wanderweg zweigt aber schon vor der Brücke rechts ab. Es geht am Mühlbach und an der Fischerei vorbei. Seit mehr als 700 Jahren versorgt das Stift Zwettl die Region rundum Zwettl mit Speisefischen von höchster Qualität. Auf etwa 90 ha Teichfläche wachsen überwiegend Karpfen und Forellen, aber auch Beifische wie Hecht, Zander und Schleie in 15 Teichen heran. Nun folgt ein romantischer schmaler Pfad etwas oberhalb des Kampufers, der uns schließlich zur Neumühle aus dem Jahre 1280 führt.

Fischerei
Fischerei
Am Kampufer
Am Kampufer
Am Kampufer
Am Kampufer

Bei der Neumühle macht der Kamp eine 360 Grad Drehung und zwar dort, wo die Brücke über den Kamp führt. Auf der gegenüberliegenden Kampseite befindet sich das wunderschöne Wappen von Abt Stephan Rössler. Geboren am 16. November 1842 im kleinen Dorf Ganz in der Pfarre Groß Haselbach leitete er als 62. Abt fast 45 Jahre Stift Zwettl.

Neumühle
Neumühle
Neumühle
Neumühle
Bei der Neumühle
Bei der Neumühle

Nach der Brücke biegen wir rechts ab. Kurz darauf queren wir an einer Unterführung die Umfahrung Zwettl und wandern weiter Richtung Stadt.

Beim sogenannten Traunerhäusel zweigen wir wiederum rechts ab. Hier befand sich spätestens ab 1653 ein Ziegelofen des Stiftes Zwettl. Hier wurden Ziegel für die umfangreichen Baumaßnahmen produziert, die vor allem in der Barockzeit vorgenommen wurden und bis heute das Aussehen der Klostergebäude prägen. Seit dem Jahre 2010 trägt die schmale Straße Richtung Oberhof, der wir nun folgen, den Namen Ziegelofenstraße.

Im heutigen Ortsteil Oberhof wurde eine erste klösterliche Niederlassung am „Oberhof“ nahe der Stadt Zwettl lokalisiert. Der Gründungsmythos des Klosters gibt an, dass am 31. Dezember 1137 von zwölf Mönchen
aus Heiligenkreuz und ihrem Abt Hermann am Oberhof das Kloster Zwettl gegründet wurde. Am Neujahrstag 1138 fand der Legende nach der sogenannte Umritt statt, bei dem Hadmar I. zusammen mit Abt Hermann das Stiftungsgebiet umritt und eine grünende Eiche im Winterwald als himmlische Erscheinung den Platz für den Bau des Klosters gewiesen haben soll.

Die Oberhofmühle wurde vom Kloster Stift Zwettl errichtet und als Lehen gegeben. 1427 brannten die Hussiten die Mühle nieder, sie wurde aber wieder aufgebaut. Von 1803 bis 1971 war sie im Besitz der Familie Köppl und deren Nachkommen, daher wird sie auch immer noch Köpplmühle genannt. Von hier aus geht es wieder in die Stadt.

Richtung Oberhof
Richtung Oberhof
kurz vor Zwettl
kurz vor Zwettl
Oberhofmühle
Oberhofmühle



ZCrux – Kleindenkmäler rund um Zwettl im Waldviertel 
Folgende Kleindenkmäler befinden sich auf der Wanderroute.


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