Die Pfarrkirche in Spital

Der zur Stadtgemeinde Weitra gehörende Ort liegt 4 km südöstlich von Weitra in einer Senke des Weidenbachs. Die teils romanisch teils gotische Kirche zählt zu den kunsthistorischen Besonderheiten der Gegend.

Kirche Spital
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Fotos 2025/2026
Abseits der Tour

Kirche Spital

Der Ort wurde vermutlich um die Mitte des 12. Jahrhunderts unter kuenringischer Oberhoheit gegründet und kam um 1200 als Schenkung Hadmars II. von Kuenring an den Johanniterorden (später Malteser).

Johanniterorden und Malteserorden haben gemeinsame Wurzeln. Sie gründeten im 11. Jahrhundert den Hospitaliterorden. Nach der Reformation spaltete sich der Orden in einen evangelischen Zweig (Johanniter) und einen katholischen Zweig (Malteser). Beide Orden sind karitativ tätig, nutzen das achtspitzige Kreuz und arbeiten oft eng zusammen.

Die Johanniter errichteten hier an der Gabelung des Böheim- und Polansteigs ein Hospital, das 1227 urkundlich erwähnt wird.

Die vermutlich ebenfalls im frühen 13. Jahrhundert erbaute Kirche zum Heiligen Johannes dem Täufer wird 1298 als Pfarre in einer Besitzbestätigung der Kuenringer Leuthold und Albero für den Johanniterorden genannt.

Bis 1995 war die Pfarre der Malteserkommende Mailberg inkorporiert, seither ist sie eine Weltpriesterpfarre der Diözese St. Pölten.

Die von einem Friedhof mit Mauer umgebene Kirche ist eine romanische Ostturmkirche. Um 1400 wurde das Langhaus gotisch umgestaltet, das ursprüngliche Flachdach eingewölbt und die Kirche um einen einjochigen gotischen Chor erweitert. Das westliche und östliche Joch wurde barock verändert. Im Westen steht ein barockes Westjoch des Langhauses mit einer schmucklosen Giebelfassade. Nördlich am Turm befindet sich die barocke Sakristei. Der romanische Turm hat erneuerte gekoppelte Schallfenster. Es gibt eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert.


Man betritt die Kirche seitlich im Norden unterhalb der Orgelempore. Der Boden ist mit großen Steinplatten ausgelegt. Die Sitzbänke reichen bis zu den Seitenwänden, an denen Kreuzwegbilder hängen. Einbahnige gotische Maßwerkfenster mit hellen Kacheln erhellen das Innere. Der Mittelgang führt bis zum Chor, der zwei Stufen höher liegt.

Auf der linken Seite steht die Statue des Heiligen Leonhard von Noblat. Er trägt eine Mitra (Bischofsmütze) und hält einen Abtstab in der linken Hand, was auf seine Funktion als Abt des Klosters Noblat hinweist. Er wird oft mit einer Kette in der Hand dargestellt.

Auf der rechten Seite steht der Heilige Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm. Die abgebildeten Lilien, die Josef in der Hand hält, sind ein typisches Attribut für ihn und symbolisieren seine Reinheit und Keuschheit.

Kirche Spital
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Kirche Spital

Vom romanischen Bau ist das kreuzgratgewölbte Turmjoch zwischen zwei eingezogenen Bögen, westlich zum Langhaus spitzbogig, östlich zum Chor rund und abgefast, erhalten.

An der Wand zum Chor sieht man links die Statue der Heiligen Maria, in der Mitte die Darstellung des Gnadenstuhls und rechts eine Herz Jesu Statue.


Kirche Spital
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Besonders bemerkenswert ist die Innengestaltung des romanischen Turms. Das Portal zur Sakristei ist barock mit einer Holztüre mit Malteserkreuz. Das Turmjoch ist vollständig von Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert (um 1360) bedeckt, die 1983 freigelegt wurden.

An der Triumphbogenlaibung erkennt man links den Ungläubigen Thomas. Ein Fragment eines Schmerzensmannes gehört stilistisch zur Jahresangabe 1546.

Rechts sieht man die Darstellung von Anna selbdritt.

Kirche Spital
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An der Nordwand erkennt man die thronende Maria zwischen Helena und Dorothea, seitlich vom Ölberg.

Blickt man nach oben, so sieht man an der Wölbung Pantokrator (griechisch für Allherrscher oder Weltenherrscher) auf dem Thronsessel und Medaillons mit Evangelistensymbolen vor einem Sternenhimmel. Die Schildbögen sind von Krabben begleitet und durch perspektivische und vielfach verschachtelte Architekturgehäuse charakterisiert. Krabben sind typische, stilisierte, knospenartige Zierelemente der Gotik (ca. 1200–1550), die als Dekoration angebracht sind.

Darunter an der Ostwand erkennt man die Kreuzigung mit Maria und Johannes zwischen Johannes dem Täufer und Petrus.

An der Südwand gibt es nur mehr Fragmente von Maria Magdalena und weiteren Heiligen. An der Triumphbogenlaibung erkennt man Fragmente des Ungläubigen Thomas und Anna selbdritt.


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An der Chorbogenlaibung ist der Heilige Wolfgang zu sehen. Der Heilige Wolfgang (lat. S. Wolfgangus) wird hier als Bischof (Episcopus) und Apostel Germaniens (Apostolus Germaniae) dargestellt und hält ein Modell einer Kirche in der Hand.

Gegenüber wird der Heilige Ferdinand in bischöflichen Gewändern mit einer Mitra und einem Krummstab dargestellt. Die gut sichtbare lateinische Aufschrift im Fresko lautet „S. Ferdinandus Episcopus“ (Heiliger Ferdinand, Bischof).


Der barocke Hochaltar trägt das Bild der Taufe Jesu vom Spitaler Pfarrer Frater Eduardus Kolenaty (1885). Diese Darstellung mit dem Kirchenpatron Johannes den Täufer erinnert an die lang bestehende Verbindung mit dem Johanniter- bzw. Malteserorden.

Links am Altar steht die Statue des Heiligen Apostel und Evangelisten Johannes. Er wird häufig mit einem Adler dargestellt, der als sein Attribut zu seinen Füßen sitzt. Er hält traditionell ein Buch (das Johannesevangelium) und eine Schreibfeder in den Händen, was ihn als Autor und Evangelisten kennzeichnet.

Rechts am Altar steht die Statue des Apostel Andreas. Der Apostel wird häufig mit langem, wallenden Haar und Bart sowie in einem faltenreichen Gewand dargestellt. Im Hintergrund sieht man ein Andreaskreuz (X) aus Baumstämmen.

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Über dem Eingang befindet sich die Orgelempore. Die Orgel baute Franz Strommer, Orgelbauer aus Wien, im Jahre 1902.


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