Die Pfarrkirche in Schloss Rosenau

Das idyllisch gelegene Barockschloss Rosenau gehört zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern des Waldviertels. Das Schloss ist der Nachfolgebau der Mitte des 12. Jahrhunderts erbauten Wasserburg im Dorf Rosenau, die den Polansteig, einen wichtigen Verkehrsweg nach Böhmen, sichern sollte. An Stelle der verfallenen Wasserburg baute Wolf Dietrich von Greiß 1593 den zehn Jahre zuvor erworbenen südlich des Dorfes Rosenau gelegenen Wernhartshof zu einem mächtigen, vierseitig geschlossenen Renaissanceschloss aus. Dieses wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter den neuen Besitzern, den Grafen von Schallenberg, zu einem Barockschloss umgebaut (1736-1747). Der ursprüngliche Planverfasser der Schlossanlage ist vermutlich der bedeutende, aus Tirol gebürtige Barockbaumeister Joseph Munggenast (1680 – 1741).

Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau

Fotos 2025/2026
Abseits der Tour

Kirche Schloss Rosenau

Im Zuge der Ausgestaltung der Gutshofsiedlung und des Schlossumbaus wurde von Graf Leopold von Schallenberg mit Zustimmung von Kardinal Kollonitsch als Propst des Kollegiatsstiftes Zwettl und des Passauer Konsistoriums in Wien die Pfarre Schloss Rosenau gestiftet. Ein Original des Stiftsbriefes, der am 1. Juli 1740 ausgestellt und im Passauerhof in Wien am 2. Oktober 1740 besiegelt worden war, verblieb bei der Herrschaft und kann im Schloss Rosenau besichtigt werden. Ein weiteres Exemplar kam in die Kirchenlade und das dritte ging an das Passauer Konsistorium in Wien.

Eine Abschrift dieser Urkunde aus dem Jahre 1839 fasst kurz zusammen: „1740 Juli 1, Leopold Graf von Schallenberg stiftet umgränzt und dotiert mit Einwilligung des Sigismund Cardinal Kollonitsch als Propst von Zwettl die neuerrichtete Pfarre Schloss Rosenau.“

Dieser Stiftsbrief ist nicht nur kirchenrechtlich von Interesse, da darin Vorsorge getroffen wurde, in der neu errichteten Pfarre sowohl den Unterhalt des Pfarrers, als auch den Bau und die Instandhaltung von Kirche und Pfarrhof zu sichern. Der Pfarrer von Rieggers wurde für seinen Verdienstentgang, welcher ihm durch die Abtretung seines bisherigen Pfarrsprengels Rosenau entstand, entschädigt. Auch verwaltungstechnisch ist diese Urkunde bedeutsam. Hier wurden die gesamten Besitzungen des Grafen von Schallenberg angeführt und vor allem jene Gebiete, welche aus der „Amtskanzley“ Rosenau verwaltet wurden, eingegrenzt. Auch die administrative Einheit von Kirche und Schule ist erkennbar, denn der Schulmeister hatte in der Kirche Dienste als Mesner zu leisten und für den Gesang in der Heiligen Messe zu sorgen.

Die Pfarrkirche Schloss Rosenau ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht.

Die turmlose, spätbarocke Kirche an der Westseite von Schloss Rosenau im gleichnamigen Ort zählt zu den bemerkenswerten Sakralbauten des Waldviertels. Sie wurde von 1736 bis 1739 errichtet. Am 3. September 1739 wurde sie vom Passauer Fürstbischof Graf Joseph Dominikus von Lamberg eingeweiht und ein Jahr später zur Pfarrkirche erhoben. Zu dieser Zeit gehörte dieses Diözesangebiet noch zum Bistum Passau. Die Diözese St. Pölten wurde unter Kaiser Josef II. im Jahr 1785 errichtet.

Der barocke Zentralbau hat einen kreuzförmigen Grundriss. In seinem Ostarm ist die ältere Schlosskapelle integriert. Die Querarme sowie die Sakristei wurden 1767–1768 zugebaut. Planung und Ausführung fallen in die Zeit des Grafen Leopold Christoph von Schallenberg, der gleichzeitig das angrenzende Renaissanceschloss im Stil des Barock umgestalten ließ. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Das Langhaus liegt in gleicher Höhe mit dem Schloss und hat im Norden und Süden etwas niedrigere symmetrische Querarme mit abgeschrägten Ecken. Der Chor mit leicht eingezogener Rundapsis und daran anschließender, rund geschlossener Sakristei ist etwa gleich hoch wie die Seitenschiffe. Die Fassade ist durch eine Putzgliederung und abgesetzte Flachbogenfenster gegliedert.


Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau

Der südliche Querarm ist durch ein Flachbogenportal zugänglich, das von Rundbogennischen mit Figuren der Heiligen Maria Immaculata (Unbefleckte Empfängnis) und dem Heiligen Josef mit Jesuskind aus der Zeit um 1768 flankiert wird.

An dem im Jahr 2018 erneuerten, südseitigen Stiegenaufgang zum Portal befinden sich sechs barocke Statuen aus Sandstein. Die Statue vorne links stellt Rochus von Montpellier dar, die rechte Teresa von Ávila; in der Mitte Antonius von Padua und Felix von Valois; oben Franz von Paola und Donatus von Münstereifel.


Aber Achtung dieser Eingang ist in der Regel abgesperrt. Man betritt die Pfarrkirche durch das Schloss. Begleitet mich also zum Vorplatz und weiter durch das Schlosstor, einer weiteren automatischen Glastür in den Innenhof! Der Eingang zur Pfarrkirche befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes.

Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau


Kirche Schloss Rosenau

Vor uns im Schlosshof sieht man ein großes Wandfresko mit der Darstellung „Jakob mit der Himmelsleiter“ (Jakobsleiter).

Die lateinische Inschrift über der hofseitigen Kirchentür nimmt Bezug auf dieses Fresko und schafft eine Verbindung zur Pfarrkirche.

„Als Jakob aus seinem Schlaf erwachte, sprach er: Wahrlich, der Herr ist an diesem Ort, hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels.“


Es geht durch ein schmales niedriges Kirchenschiff, das in die Schlossanlage integriert ist. Der Gang führt bis zum Altar. Beidseitig gibt es kurze Sitzbänke, die bis an die Mauer reichen. Wendet man den Blick nach oben sieht man musizierende Engel.

Die einbogige und stichkappen-unterwölbte Orgelempore mit geschwungener Brüstung ist mit Bandelwerkstuck dekoriert. Die einmanualige Orgel mit Pedal im neobarocken Gehäuse verfügt über vier Manualstimmen und eine Pedalstimme. Sie ist ein Werk von Leopold Breinbauer, Orgelbaumeister in Ottensheim, aus dem Jahre 1895.

Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau
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Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau

An den Seiten des Langhauses liegen einander gegenüber zwei Emporen (Kanzel und ehemalige Herrschaftsempore) mit vorschwingenden Flachbogenöffnungen und gebauchten Brüstungen aus Stuckmarmor mit muschelförmigen Anläufen.

Die Volutengiebel der Kanzeln haben Ovalmedaillons mit Porträts von Evangelisten.


Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau

An der nördlichen Empore ist ein Relief „Saulus stürzt vom Pferd angesichts der Erscheinung Christi“ – „Bekehrung des Saulus zum Paulus“ zu sehen, an der südlichen „Moses im Gebet um den Sieg Josuas über die Amalekiter in der Schlacht bei Raphidim“.


Die Vierung mit abgeschrägten Ecken unter einer Flachkuppel verbindet die Seitenschiffe. Die Querarme sind von Stichkappentonnen überwölbt, etwas schmäler als der Kuppelraum und an den Ecken abgeschrägt. Der rechteckige Chor verfügt über ein Kreuzgrat- bzw. Kalottengewölbe und eine Halbkreisapsis. An der Ostwand liegen zwei breite Emporen. Die Räume sind durch Pilaster mit Kompositkapitellen und einem reich profilierten Gebälk mit stuckiertem Fries gegliedert. Sie weisen verschiedene freimaurerische und christliche Symbole auf.

Kirche Schloss Rosenau

Das beeindruckende spätbarocke Kuppelfresko zeigt uns den offenen Himmel. Im Zentrum ist in einem Strahlenkranz das Auge Gottes dargestellt. Hauptperson ist der Heilige Leopold, über ihn befinden sind die Eltern der Heiligen Maria, Joachim und Anna, umgeben von zahlreichen Engeln und Heiligen. Die Heilige Anna hält in ihrer rechten Hand einen grünen Zweig, der in einem ovalen Rahmen das Monogramm Mariä umschließt.

Auf Grund fehlender Dokumente gibt es verschiedene Deutungen dieses Freskos, wie „Glorie der Unbefleckten Empfängnis, Erkenntnis Gottes, Verherrlichung des Namens Gottes, Verherrlichung des Namens Mariens und Glorie des Heiligen Leopold“. Weiters befindet sich ein Fresko „Engelkonzert“ im Kreuzgratgewölbe des Ostarms der Kirche. Beide Fresken werden dem Barockmaler Johann Jakob Zeiller (1708 – 1783), einem Schüler und Mitarbeiter des berühmten Paul Troger (1698-1762) zugeschrieben.


Durch die Querarme erhielt der Kirchenbau einen kreuzförmigen Grundriss, was typisch für den spätbarocken Stil der Region ist.

Kirche Schloss Rosenau
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Im Nordarm sieht man ein großes Kruzifix, sowie eine Statue des Unbefleckten Herzens Mariä und eine Statue des Heiligsten Herzens Jesu.

Kirche Schloss Rosenau
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Kirche Schloss Rosenau
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Die wesentlichen Teile der skulpturalen Ausstattung der Kirche wurden wahrscheinlich vom Bildhauer Jakob Christoph Schletterer (1699 – 1774) geschaffen.

Zu der spätbarocken Einrichtung aus der Bauzeit gehören unter anderem zwei einander entsprechende Seitenaltäre. Sie haben Wandretabel mit Volutenrahmungen, seitliche Engelfiguren und Putten sowie Altarblätter aus der Zeit um 1900.


Kirche Schloss Rosenau
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Am linken Altarblatt ist „Christus am Ölberg“ abgebildet, am rechten „Madonna mit dem Jesuskind“, eine Replik der berühmten „Sixtinischen Madonna“ von Raffael Santi in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden.


Vor dem Chor befindet sich ein kunstvolles spätbarockes schmiedeeisernes Kommuniongitter mit dem Allianzwappen der Familien Schallenberg (links) und Gilleis (rechts).

Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau


Der Hochaltar ist ein Sarkophagaltar mit einem Aufbau mit übereck gestellten Pfeilern, einem Volutenaufsatz mit dem Wappen der Familien Schallenberg und Gilleis, einem Altarblatt Heilige Dreifaltigkeit, Seitenfiguren von Johannes dem Täufer und Moses sowie Putten am Aufsatz. Der Tabernakel wird von Engelfiguren flankiert.

Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau


Wie schon im Stiftsbrief vom 1. Juli 1740 festgehalten, bilden Kirche, Pfarrhof, Glockenturm und Volksschule eine Einheit. Wandert man von der Pfarrkirche in westliche Richtung aufwärts, so kommt man beim spätbarocken Pfarrhof vorbei. Er wurde als einstöckiges Gebäude mit Eckrisaliten und flachem Mittelgiebel wahrscheinlich 1743/45 errichtet. In einem Rundgiebel auf Voluten über dem Steinportal sieht man ein Fresko. Dargestellt ist Christus mit Schäferhut. Er sitzt unter einem Baum, an seiner Seite liegen drei Schafe, mit seinem Zeigefinger zeigt er zum Schloß. Im Hintergrund des Bildes ist die Kirche von Rieggers, von der die Pfarre Rosenau getrennt wurde, zu sehen. Der Schriftzug auf dem Schriftband lautet: „Haec dicit Dominus exercituum – adhuc in isto loco erit habitaculum pastorum accurantium gregum“ übersetzt „Da spricht der Herr der Heerscharen – Hier an diesem Ort wird die Wohnung der Hirten sein der herbeieilenden Herden“. Das Fresco wird Johann Rincolin zugeschrieben.

Kirche Schloss Rosenau
Kirche Schloss Rosenau

Im Giebelfeld des Pfarrhofes sieht man eine aufgemalte Sonnenuhr. Auf einem u-förmigen Band sind die römischen Ziffern aufgemalt, rechts davon erstrahlt die Sonne, links der Mond. In der Verkragung des Giebels ist der Schriftzug „VIgILate qVI transItIs, qVIa nesCItIs qVa hora DoMinVs et saLVator VenIet“ zu lesen. Übersetzt „Seid wachsam, die ihr vorübergeht, denn ihr wisst nicht, zu welcher Stunde der Herr und Heiland kommen wird“. Das Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1743.

Unübersehbar ist der Glockenturm, der neben der Volksschule steht. Der Turm ist dreigeschoßig und zeigt eine Lisenengliederung. Im ersten und zweiten Stock sind rundbogige, weiß gefaschte Fenster eingelassen. Früher trug der Turm einen barocken Zwiebelhelm, heute ein Pyramidendach aus Blech, an dessen Spitze ein Kreuz thront. Da im Schloss, aufgrund des Schalls, keine Glocke aufgehängt werden konnte, ließ man diesen Turm bauen. Die älteste Glocke wurde im Jahr 1743 gegossen, die beiden anderen im Jahr 1958.

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