Die Kapelle in Großotten

Kapelle Großotten

Das Längsangerdorf mit Gartenäckern liegt südöstlich von Großschönau in einer Senke des Ottenbaches. In einer Urkunde des Klosters Zwettl aus dem Jahre 1197 bestätigte Bischof Wolfker von Passau Zehentrechte des Klosters in „ville que dictur in dem Ottone“ (Dorf das Otten genannt wird). Der Besitz dieses Dorfes ist in allen Stift Zwettler Urbaren und Grundbüchern bis 1848 nachzuweisen.

Die Kapelle aus dem Jahre 1754 ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht und steht an einer Geländestufe neben der Straßenkreuzung. Auffällig ist, dass sich der Dachreiter mit Zwiebelhelm bei dieser Kapelle über der Halbkreisapsis befindet. In der östlichen Giebelmauer befinden sich drei Rundbogennischen mit Heiligenfiguren (Heiliger Anton, Heiliger Josef, Heilige Maria)


Fotos 2025/2026
Abseits der Tour

Man betritt die Kapelle von Osten. Der Mittelgang führt bis zum Altar. Kurze Sitzbänke aus dem Jahre 2008 reichen bis zu den Wänden. Zwei Bogenfenster erhellen den Raum. Das Langhaus hat ein Stichkappentonnengewölbe.

In der Halbkreisapsis steht ein Rankenrahmenaltar. Es ist eine spezifische Form des Altars, die besonders im Barock und Rokoko verbreitet war. Charakteristisch ist ein Altarblatt, das nicht durch einen strengen architektonischen Rahmen (Säulen, Pilaster), sondern durch aufwendiges, geschnitztes Blatt- oder Rankenwerk gerahmt wird.

Kapelle Großotten
Kapelle Großotten


Im Zentrum des Altars befindet sich ein Gnadenstuhl. Links und rechts stehen zwei weibliche Heilige, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Die rechte Figur könnte die Heilige Barbara sein, denn sie wird immer in einem grünen Gewand dargestellt. Davor sieht man den Heiligen Josef mit dem Jesuskind.

Kapelle Großotten
Kapelle Großotten
Kapelle Großotten


Links vom Altar steht die Statue des Heiligen Florian, dargestellt als römischer Soldat mit Lanze. In seiner rechten Hand hält er einen Eimer mit Wasser. Rechts steht die Statue eines Heiligen Bischofs.

Kapelle Großotten
Kapelle Großotten
Kapelle Großotten


Kapelle Großotten
Kapelle Großotten

Links vom Volksaltar steht eine gotische Schnitzfigur der Heiligen Maria mit Kind. Rechts an der schmalen Chorwand hängt Gottvater mit Wolken und drei Engelsköpfen.

Um den Rosenkranz von Maria rankt sich eine Legende, die bis heute nicht vollständig entschlüsselt werden konnte: Die Gebetskette ist eine sogenannte „Froasbetn“, die früher Säuglingen um den Hals gelegt wurde, wenn diese die „Froasn“ bekamen. Froasn nennt man in der Mundart den Schüttelfrost, der oft tödlich endete. In den Rosenkranz sollen Kräuter oder Reliquien eingenäht worden sein. Es ist allerdings streng verboten, das kleine Pölsterchen zu öffnen und nachzuschauen. Die „Froasbetn“ war bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Verwendung.


Vor der Apsis steht etwas erhöht der Heilige Leopold. Leopold III. der Fromme, war Markgraf von Österreich und Klostergründer (* um 1073 in Melk, † 15. November 1136 bei Klosterneuburg). Er trägt Symbole seiner Herrschaft. In seiner linken Hand hält er ein Modell der Stiftskirche von Klosterneuburg, die er gründete.

Gegenüber steht ein Heiliger mit Buch, Bischofsmütze und Bischofsstab. Auch in diesem Fall ist keine eindeutige Zuordnung eines Heiligen möglich.

Kapelle Großotten
Kapelle Großotten
Kapelle Großotten


Diese außergewöhnlich Einrichtung der Kapelle mag wohl in Zusammenhang mit Barbara von Großotten stehen. Diese sehr wohlhabende und fromme Frau im
Haus Großotten Nr.5 schenkte auch dem Stift Zwettl einen größeren Grundbesitz.

Im Jahre 1997 wurde die Kapelle generalsaniert. Alle Statuen sowie der Altar wurden fachgerecht restauriert, der Innen- und Außenputz wurden erneuert. Auch die Nischen an der Außenwand unserer Kapelle wurden wieder mit Heiligenfiguren besetzt.

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