Die Burgruine Kronsegg – Ein kaum bekanntes Juwel

Südseite

Die Burgruine Kronsegg liegt im Loistal wenige Kilometer westlich von Langenlois. Der Gebäudekomplex besteht im Wesentlichen aus dem Torturm mit Kapelle, dem Bergfried, dem Palas, mehreren Innenhöfen und dem viergeschossigen Wohnturm. Über eingebaute Stiegenanlagen gelangt man auf die beiden Wehrtürme, von wo aus man einen Ausblick über die bewaldeten Hügel und den Stausee Kronsegg genießt.


Beim Parkplatz
Zustieg

Vom Parkplatz unterhalb der Burgruine geht es in zehn Minuten leicht bergauf zum Eingang.


Haupttor
2.Tor

Wir betreten das Innere der Anlage über das äußere Burgtor, das ursprünglich mit einer Zugbrücke versehen ist. Als Abschnittsburg hat Kronsegg mehrere hintereinander angelegte Höfe, die jeweils durch Tore gesichert waren. Eine äußere Zinnenmauer, an der Ansätze eines Wehrganges erhalten sind, begrenzt die ersten drei zwingerartigen Vorhöfe. In diesem Bereich waren einst Stallungen und Gesindewohnhäuser, von denen nichts erhalten ist.


Letztes Tor
Schöner Türstock

Nach dem vierten Vorhof kommen wir in den ersten Innenhof.

Gleich links ist ein schöner Türstock erhalten.


Im Rittersaal
Im Rittersaal

Vom nicht mehr vorhandenen Rittersaal blicken wir Richtung Osten zum Torturm und Richtung Westen zum viergeschossigen Wohnturm.


Kreuzrippengewölbe
Kapellenfenster

Dann besteigen wir den Torturm.

Er enthält im ersten Obergeschoß einen bemerkenswerten Kapellenraum, dessen räumliche Beengtheit durch stark konisch erweiterte Tür- und Fensteröffnungen sowie breite Wandnischen gemildert wird. In der Laibung der östlichen Altar- und Fensternische sind Reste einer figuralen und ornamentalen Freskenausstattung erhalten. Am Schlussstein des Kreuzrippengewölbes befindet sich das Wappen der Schad. Der Zutritt zur Kapelle erfolgte vom westlich angeschlossenen Gebäude, das hier einen kleinen, auch über einen Hocheinstieg zugänglichen Wohnraum mit Wandkamin enthält.


Aufstieg zu Torturm
Durch den Wohnturm

Durch den Wohnturm gelangt man in den zweiten Innenhof. Der im Westen liegende zweite Bergfried ist mit einer Seitenlänge von 8 m und über zwei Meter starken Mauern deutlich mächtiger als der Turm beim Tor. Er war durch ein Spitzbogenportal und über einen Gang im ersten Obergeschoss mit dem Palas verbunden.


Blick zum Wohnturm
Im Wohnturm


Zisterne
Rechts oben eine Küche

Sowohl im ersten, als auch im zweiten inneren Burghof befand sich eine Zisterne und es sind Reste von Küchenbauten zu erkennen, wobei im zweiten Hof ein pyramidenförmiger Rauchabzug erhalten ist.


Zusammenfassend kann man sagen, es ist ein sehenswerter, restaurierter und gesicherter Ruinenkomplex. Die Anlage ist einschließlich der beiden Türme durch neu angelegte Stiegenanlagen weitgehend gefahrlos begehbar.

Öffnungszeiten: Ostern bis Ende Oktober: tägl. 9–18 Uhr. Während dieser Zeiten ist die Ruine frei begehbar.


Größere Karte anzeigen


Zur Geschichte

Cronsegg

Die Burg Kronsegg wurde wahrscheinlich gegen Ende des 12. Jh. bzw. spätestens am Anfang des 13. Jh. erbaut und im Jahre 1250 erstmals unter dem Namen „Chranzek“ urkundlich erwähnt und als Passauer Besitz ausgewiesen. Als erste Burgherren von Kronsegg werden die Maissauer vermutet, doch bereits zu Beginn des 14. Jh. wurde Kronsegg ein Lehen des berühmten österreichischen Geschlechts der Kuenringer. Deren Gefolgsmann Arnold der Praunsdorfer war 1309 hier ansässig. Gegen Ende des 14. Jh. kam die Burg gemeinsam mit anderen Besitztümern der Linie Kuenring-Seefeld als Heiratsgabe an die Markgrafen von Brandenburg. So war Kronsegg bis 1783 eine ausländische Enklave im Hoheitsgebiet der Habsburger, erst da wurde beschlossen, dass sämtliche Lehensrechte der Brandenburger in Österreich an die Habsburger übertragen werden sollten. Das 15. und 16. Jh. waren durch zahlreiche Wechsel der Burgherren gezeichnet. 1569 kam Kronsegg, das damals bereits mit Schiltern verbunden war, in den Besitz der Familie Leisser. Nachdem die Burg 1619/20 durch die Böhmen stark beschädigt worden war, ließ Christoph Leisser im Jahre 1629 den Wehrbau schlossartig ausbauen. Gegen Ende des 30jährigen Krieges setzte sich der in schwedischen Diensten stehende Heinrich Konrad Schreyer in der zuvor eroberten und beschädigten Burg gemeinsam mit seinen 150 Reitern fest und verwüstete von hier aus immer wieder die Umgebung. Erst nach einiger Zeit und nach dem Abzug der schwedischen Truppen wechselte er die Fronten und trat in den kaiserlichen Dienst über.

Als 1663 die Brüder Johann, Ehrenreich und Ferdinand von Geymann mit dem Lehen Schiltern-Kronsegg betraut wurden, mussten sie die bereits verfallene Burg wieder instand setzen. Karl Freiherr von Hackelberg, der ab 1679 Herrschaftsinhaber war, führte zwar noch Ausbesserungsarbeiten durch, verließ aber bald das immer noch sehr unwohnliche Kronsegg und gab es dem endgültigen Verfall preis.

Die Wehreinrichtungen der Festung Kronsegg dürften jedoch noch länger intakt geblieben sein, denn bis 1707 wurde Kronsegg dreizehn der umliegenden Ortschaften als Fluchtort im Falle von drohender Gefahr zugewiesen. Karl Freiherr von Hackelberg zog es vor im Schloss Schiltern zu wohnen, das den gehobenen Wohnbedürfnissen eher entsprach. Die Erbauung des Schlosses geht auf die Familie Leisser zurück, die ja von 1569 bis 1663 im Besitz der Herrschaften Schiltern und Kronsegg war.

Kronsegg wurde 1928 von der Stadtgemeinde Langenlois gekauft und befindet sich seither in deren Besitz. Nach den Renovierungs- und Sicherungsarbeiten der Ruine von 1988 bis 1994 wurde sie zur Besichtigung freigegeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.