Abfischen

Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich


Beim jährlichen Abfischen, das ein Stück echter Waldviertler Tradition darstellt, wird von Mitte Oktober an den Teichen das Wasser abgelassen. Bei großen Gewässern kann das mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Aus dem Teich ist dann ein Tümpel geworden, in dem es recht zappelig zugeht. „Der Teich kocht“ heißt es im Volksmund. Die Karpfen werden dann mit Netzen aus dem Wasser gezogen und erwarten anschließend in Auffangbecken ihren finalen Daseinszweck als köstliche Delikatesse am Weihnachttisch.


Fotos aufgenommen im Oktober 2009
Abseits der Tour


Wir sind in Abständen von drei Tagen zum Zieringser Teich gewandert, mit der Absicht das langsame Abfließen des Wassers zu beobachten, bis dann zum Schluss die Karpfen abgefischt und abtransportiert werden. So zeigen die ersten drei Bilder den Teich sechs Tage vor dem Abfischen. Die nächsten drei Bilder werden drei Tage später aufgenommen. Wir können schon an der Wassersperre den viel tieferen Wasserstand erkennen. Zwischendurch haben wir am Teichwanderweg auch die anderen Waldviertler Karpfenteiche entdeckt.


Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich
Zieringser Teich


Die Karpfenzucht in Teichen ist eine der ältesten Methoden der Fischproduktion. Im Jahr 1280 werden im Urbar des Stiftes Zwettl erstmals Teiche erwähnt. Traditionellerweise war Fisch eine Speise des Adels und der Klöster. Im Gegensatz zu den Klöstern nutzte der Adel sein Fischrecht jedoch kaum. Mit der Zeit arbeiteten auch Berufsfischer für Klöster, Gewässerbesitzer und Grundherren. Die Fischzucht war oft mit Mühlteichen für Wassermühlen verbunden, die von Klöstern oder Adeligen an die Müller verpachtet wurden. Die Pachtgebühr bestand aus Fischen oder Geld. Während der Fastenzeit bevorzugten Stiftsküchen den Karpfen. Auch aus dem Grund, weil die Geistlichkeit zum Fischen (Kaltblütler) aber nicht zur Jagd (Warmblüter) berechtigt war. Da der Heilige Abend ebenfalls als Fasttag galt, an dem der Verzehr von Fleisch nicht erlaubt war, wurde der Karpfen zum traditionellen Weihnachtessen in Mittel- und Osteuropa. Auch zu Silvester und am Aschermittwoch werden Karpfen regelmäßig als traditionelles Gericht serviert. Der „Waldviertler Karpfen“ ist seit 1999 eine EU weit geschützte Marke.


Los geht's
Los geht’s
Am Schleppnetz
Am Schleppnetz
Es wird enger
Es wird enger


Am Tag des Abfischens ist es dann soweit. Die Männer fahren mit dem Schleppnetz zur seichtesten Stelle und ziehen in Handarbeit das ausgelegte Schleppnetz bis zur Fischgrube, der extra angelegten tiefsten Stelle im Teich. Die Fische im Netz kämpfen um ihre Freiheit, und es sieht aus, als würde das Wasser kochen. Vom Schleppnetz kommen die Karpfen in die Bottiche, getrennt nach Sorten und Größe. Von den Bottichen geht’s in die Waage und auf den Lastwagen zum Abtransport. Nun müssen die Karpfen einige Wochen in sauberes, möglichst fließendes Wasser, um den „Lettl-Gruch“ wie wir sagen, los zu werden.


Es kocht !
Es kocht !
Ganz schön eng !
Ganz schön eng !
In den Bottich
In den Bottich


In den kalten Gewässern des Waldviertels braucht der Fisch, um zu fertiger Essgrößte (d. h. zwei bis drei Kilogramm Lebendgewicht) heranzuwachsen, statt der üblichen zwei Jahre bis zu vier. Der Lohn der Langsamkeit: festeres Fleisch und hervorragender Geschmack.


In die Waage
In die Waage
Zum Verladen
Zum Verladen
Abtransport
Abtransport

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