Zwettl
>> Stadtrundgang – Teil 7 <<
Heute wandern wir von der Promenade, unterhalb der Stadtpfarrkirche, hinauf zur Propstei, wo es viele Geheimnisse zu entdecken gibt und von wo wir eine herrliche Aussicht auf Zwettl haben.
Wir überqueren die Zwettl über die Hamböckbrücke und wandern die Propsteistiegen hinauf. Ab hier ist es mit dem Kinderwagen etwas mühsam. Gesäumt wird die Stiege, die erst heuer neu gestaltet wurde, von den Kreuzwegstationen. Die ursprünglich hölzernen Stationen wurden 1870 durch gemauerte ersetzt. Im Jahre 1970 erfolgte eine umfangreiche Renovierung der Stationsmarterl, bei der die alten Holzbilder durch neue Mosaikdarstellungen des akademischen Malers Carl Hermann aus Gmünd ersetzt wurden.
Auf dem Weg hinauf, kommen wir beim Russenfriedhof vorbei. Im November 1945 beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht ein kleines Ackergrundstück am Propsteiberg unterhalb der Kreuzigungsgruppe. Hier ließ die Kommandantur den Russenfriedhof errichten, auf dem Soldaten der Roten Armee bestattet liegen, welche nach dem Mai 1945 in Zwettl verstarben. Denkmal und Grabsteine wurden aus Schremser Granit gefertigt.
Am oberen Ende der Stiege treffen wir auf die Kreuzigungsgruppe aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die nach einem Unwetter im August 2003 schwer beschädigte Figurengruppe wurde aufwendig restauriert und strahlt seit 15. Mai 2006 wieder im neuen Glanz. Die Sandsteingruppe stellt die Kreuzigung Jesu Christi zwischen den Figuren Maria und Johannes dem Gekreuzigten dar. Darunter befindet sich Maria Magdalena, den Schaft des Kreuzes weinend umklammernd. Jeweils ganz außen sehen wir die beiden Schächer.
Nun besuchen wir die Propstei, die bis heute so manches Geheimnis birgt. Ein Vergleich mit einem alten Vischer Stich, den wir beim Friedhofseingang bewundern können, zeigt uns die baulichen Veränderungen.
Zu beiden Seiten des Eingangstores zum Propsteifriedhof stehen je eine spätgotische granitene Säule mit gewundener Kannelierung und Tabernakel mit drei rechteckigen Öffnungen. Es sind dies Totenleuchten, auch Lichtsäulen oder Friedhofsleuchten genannt. Sie sind einzigartig in Österreich. Stein und Licht, beide seit altersher Kultträger, sind in diesen Totenleuchten vereint. Die Christen sehen im Licht das Zeichen des Guten und das Symbol des ewigen Lebens.
Wir betreten nun den Friedhof und werfen einen Blick auf die Außenseite der Propsteikirche. Wir können noch die alten romanischen Fenster vor dem Umbau sehen (vergleiche einfach mit dem alten Stich). Der quadratische Turm ist jetzt unter dem Dach verschwunden.
Im hinteren Teil des Friedhofes steht der spätromanische Karner aus dem 13. Jahrhundert. Der aus Bruchsteinen gebaute Rundbau mit einem Kellergewölbe als Beinhaus zeigt im Osten eine halbrund hervortretende Apsis und im Westen ein einfaches steinernes Rundbogenportal. Ein abgestuftes Schindelkegeldach bedeckt den später erhöhten Bau. Im Südosten fallen zwei breit vorragende Steinkonsolen auf, deren Zweck bis heute nicht bekannt ist. Vom Kellergewölbe aus soll es einmal einen Gang bis in das Stift Zwettl gegeben haben, das wird aber für immer ein Geheimnis bleiben. Im Inneren findet sich auf dem Gewölbe ein figurenreiches Fresko des Jüngsten Gerichtes des Zwettlers Hans Neumüller aus dem Jahr 1940. Im Sommer 1982 wurden in der Apsis figurelle Fresken aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Die erhabenen Koronen (Heiligenscheine) der Figuren sollen in Österreich einmalig sein. Sie wurden bisher nicht freigelegt, aber es laufen derzeit Untersuchungen, daher können wir nicht in den Karner.
Wir schauen vom Karner in Richtung Propsteikirche und finden auf halber Höhe der linken Ecke einen eigenartigen Konsolstein, der vom Mauereck hervorragt. Er zeigt eine linke offene Hand mit einem Zylinder oder Rolle. Was stellt es dar? Welche Funktion hatte der Stein? Ein weiteres Geheimnis um die Propstei.
Nun besuchen wir die Propsteikirche.
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